Wenn der Hüffenhardter Rat mit dem Rad unterwegs ist, ist Waldtag

Gemeinderat unterstützt naturnahen Kurs im Gemeindewald

Sonst sind es die Waldarbeiter oder Jäger, die sich im Hüffenhardter Wald durch Brombeergestrüpp kämpfen und nach jungen Eichen suchen. Am Freitag hat der Gemeinderat diese Übung absolviert. Der jährliche Waldbegang ist immer einer der aktivsten Termine für das Ratsgremium, das heuer zum vierten Mal mit dem Fahrrad unterwegs war. Anschaulich hatte Revierleiter Erwin Winterbauer Hüffenhardter Waldthemen präsentiert.

Damit Wildverbiss dem Eichennachwuchs nichts anhaben kann, nimmt er die Jäger mit ins Boot. Sie frieden Jungbestandsflächen mit Zäunen ein, helfen aber auch durch Wuchshüllen einzelne zarte Bäumchen zu schützen. In der Waldabteilung Wagensee beim Kälbertshäuser Sportplatz durften Rätinnen und Räte selbst mit Hammer und Dachlatten die „Drahthosen“ befestigen.
Im aufgeforsteten Eichenbestand gegenüber erläuterte der Förster eine Pflegemaßnahme, die im Herbst beginnen wird: Auf insgesamt 11,3 Hektar Fläche an verschiedenen Waldorten sollen für die lichtempfindlichen Eichen gute Wachstumsbedingungen herrschen. Dazu werden nun einzelne Bäume entnommen, maximal 500 pro Hektar. Der Revierleiter legt die Pflegearbeit in diesem Jahr groß an, um in den Genuss von Fördermitteln zu kommen, die für die Jungbestandspflege auf mindestens 7,9 Hektar bezahlt werden.

Auf den Hiebsplan für das laufende Forstbetriebsjahr gingen Winterbauer und Dietmar Hellman, Leiter des staatlichen Forstamts Schwarzach, ein. Insgesamt sollen im 465 Hektar großen Gemeindewald 2.800 Festmeter Holz fallen, zur Hälfte wertvolle Sortimente wie Buchenstammholz, zur Hälfte Industrie- und Brennholz. Das Kontingent von 28.000 Festmetern für den Zehn-Jahres-Plan wäre zwar schon erfüllt, erklärte Hellmann, vertrat aber den etwas höheren Einschlag mit dem Argument: „Unser Ziel ist immer ein ausgeglichener Haushalt“ – vorausgesetzt, dass der Wald den Eingriff verträgt. In Hüffenhardt sei das der Fall. Noch gehöre Hüffenhardt zu den wenigen Gemeinden die mit der Waldwirtschaft Gewinn erzielen. Für das Jahr 2003 liegt dieser bei rund 36.000 Euro. Der heiße Sommer 2003 und die andauernde Trockenheit wird, vermutet Winterbauer, an geringeren Holzzuwächsen sichtbar werden. Dennoch: „Mich wundert, dass es dem Wald noch so gut geht“, sagt der Förster.
Auch der Bokenkäferbefall hält sich in Grenzen, erklärte Forstreferendarin Sybille Wenk. 120 Festmeter Käferholz hat man im Hüffenhardter Forst im letzten Sommer gefällt, knapp fünf Prozent des Bestands. Die vergleichsweise gute Bilanz sei darauf zurückzuführen, dass es auf der Gemarkung keine Fichten-Monokulturen gibt.

Ein heiß diskutiertes Thema, das Bürgermeister Bruno Herberich noch einmal auf der Tagesordnung verlangt hatte, ist die Bodenverdichtung. Ärger mit dem Förster ist vorprogrammiert, wenn Brennholzselbstwerber den Wald nach Gutdünken befahren.
Eindrucksvoll demonstrierten die Forstleute wie Jungpflanzen in verdichtetem Boden ungleich schlechter gedeihen oder wie Wasser in Spurrillen stehen bleibt. Der Konsens im Rat: Die alle 40 Meter vorgesehenen Rückegassen müssen eingehalten werden. Dass der Hüffenhardter Wald zertifiziert ist, widerspreche ohnehin einer willkürlichen Befahrungs-Praxis, gab Winterbauer zu bedenken.

Beim Abschluss an der Saamshütte dankte Bgm Herberich den Forstleuten und seinen Waldarbeitern für die sehr gute Arbeit. Nach sechs Jahren seit der letzten Neuordnung und der Zuordnung von Sinsheim zu Schwarzach stehe nun erneut eine Zäsur durch die Verwaltungsreform an. Herberich betonte, die Gemeinde sein derzeit gut aufgehoben, und diesen Anspruch habe man auch für die Zukunft.  

Text: Annette Gast-Prior

 

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