Volkstrauertag 2004   

Gedenkfeiern am Volkstrauertag - Einladung

In würdevoller Weise wollen wir am Sonntag, dem 14. November 2004, der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft gedenken.

In Hüffenhardt findet die Gedenkfeier mit Kranzniederlegung gegen 10.30 Uhr (nach dem ev. Gottesdienst) am Ehrenmal statt.

Vortragsfolge
Trauermarsch aus „Saul“                                  Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
Lied „Glaube, Hoffnung, Liebe“                          Kath. Kirchenchor Hüffenhardt
Gedenkansprache                                           Bürgermeister Bruno Herberich
Kranzniederlegung                                          GR'e Ludwig Sauer und Heiko Hagner
                                                                     5./PzFlakBtl 12 Hardheim
„Ich hatt' einen Kameraden“                             Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
Gedichtvortrag „Paul“  (von R. Brambach)          Katja Ranftl
„Der Ruf nach Frieden“                                    Kath. Kirchenchor Hüffenhardt
Nationalhymne                                               Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
                                                                    gemeinsam mit Teilnehmern

Soldaten unserer Patenbatterie, der 5./Panzerflugabwehrkanonenbataillon 12 aus Hardheim, stellen eine Ehrenwache am Ehrenmal.

Die Gedenkfeier in Kälbertshausen findet gegen 11.45 Uhr (nach dem Gottesdienst) am Ehrenmal statt.

Vortragsfolge
Trauermarsch aus „Saul“                                 Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
„Tebe Pajom“                                                 GV "Edelweiß 1905 " Kälbertshausen
Gedenkansprache                                          Ortsvorsteher Erhard Geörg
Kranzniederlegung                                          Mitglieder des Ortschaftsrats
                                                                     GV "Edelweiß 1905" Kälbertshausen
„Ich hatt einen Kameraden“                              Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
„Die Gott lieben“                                              GV "Edelweiß 1905" Kälbertshausen
Nationalhymne                                                Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
                                                                      gemeinsam mit Teilnehmern

 Zur Teilnahme an diesen Gedenkfeiern ist die Bevölkerung herzlich eingeladen.

Bruno Herberich                                                      Erhard Geörg 
            Bürgermeister                                                         Ortsvorsteher

 

Gedenkfeier zum Volkstrauertag
In ehrendem Gedenken an die Opfer der Weltkriege aus der Gemeinde und an alle Opfer von Kriegen und Gewalt versammelten sich am Volkstrauertag zahlreiche Menschen an den Denkmalen in Hüffenhardt und Kälbertshausen.
In Hüffenhardt stellte die Bundeswehr erstmals eine Ehrenwache durch Soldaten der 5./PzFlakBtl 12, der  Patenbatterie der Gemeinde. Bürgermeister Herberich und Batteriechef Oberleutnant Müller legten Kränze  nieder.     

 

Gedenkansprache von Bürgermeister Bruno Herberich

Verehrte, im Gedenken Versammelte,

in diesem Jahr waren es 90 Jahre seit der 1. Weltkrieg begann, 65 Jahre seit dem Beginn des 2. Weltkriegs. 60 Jahre sind vergangen seit den kriegsentscheidenden, blutigen Schlachten in Monte Cassino und der Normandie, wo Hunderttausende in erbitterten Kämpfen den Tod fanden.

Genauso lange ist es her, dass deutsche Offiziere in offenen Widerstand gegen Hitler traten und am 20. Juli mit dem Attentat zumindest ein offizielles, deutsches Gewissen gegen die nationalsozialistische Ideologie zutage getreten ist.

Der vorbereitete Aufruf, mit dem sich dann Generaloberst Beck an der Spitze einer neuen Regierung an das deutsche Volk wenden wollte, blieb  unverlesen. In ihm hieß es zur Begründung für den notwendigen Staatsstreich unter anderem:

„Hitler hat Ehre und Würde, Freiheit und Leben anderer für nichts erachtet. Zahllose Deutsche, aber auch Angehörige anderer Völker, schmachten seit Jahren in Konzentrationslagern... Durch grausame Massenmorde ist unser guter Name besudelt. Mit blutbefleckten Händen ist Hitler seinen Irrweg gewandelt - Tränen, Leid und Elend hinter sich lassend.“ 

Es ist nicht gelungen, die Tyrannei des Regimes zu beenden, dem deutschen und den anderen geschundenen Völkern weiteres sinnloses Blutvergießen,  verwüstete Länder und zerbombte Städte zu ersparen. Bis zum Kriegsende mussten noch Millionen Menschen - Soldaten, Zivilbevölkerung, Juden, Inhaftierte - ihr Leben lassen, gab es Verwundete, Verkrüppelte. Noch danach starben Hunderttausende als Flüchtlinge und Vertriebene, in Kriegsgefangenschaft und als Kriegsbeschädigte.

Auch nach zwei Menschengenerationen seit diesem letzten großen menschlichen Sündenfall von deutschem Boden aus, versammeln wir uns am Volkstrauertag zum offiziellen Gedenken.

In unser Gedenken und in unsere Gedanken schließen wir auch unsere Freunde in Champvans / Frankreich und Máriakálnok / Ungarn ein, denen wir in dieser Stunde verbunden sind - mit einer gemeinsamen Leidensgeschichte als ehemals verfeindete Länder und jetzt als Freunde.

Wir gedenken gemeinsam mit den Soldaten unserer Patenbatterie, die, wie alle  Soldaten der Bundeswehr, ihren Dienst verrichten, damit wir in Frieden und Freiheit leben können und damit diese Werte auch in anderen Ländern gelebt werden können.

Wir halten inne und erinnern uns an die Millionen Opfer der Weltkriege sowie aller Kriege, Gewalt- und Terrorakte.

Doch fassen können wir dieses Leiden nur, wenn wir uns aus der Vielzahl der Toten vergegenwärtigen, dass mit jedem Opfer ein einzelnes, persönliches Schicksal verbunden ist.

Fast 10 Millionen Tote im I. Weltkrieg, über 55 Millionen Tote während und nach dem II. Weltkrieg     -     unvorstellbar!

„Hunderttausend Tote“, so sagte der französische Schriftsteller Antoine de Sainte Exupery einmal - „Hunderttausend Tote, das ist eine Statistik. Aber einer, der fort geht und nicht mehr wiederkommt, das schmerzt - das ist viel mehr.“

128 Namen stehen auf den Tafeln hier an unserem Mahnmal,

55 aus dem I. Weltkrieg,
73 aus dem II. Weltkrieg.
Allein 1944, also vor 60 Jahren, das Jahr, das wir eingangs betrachtet haben, sind 21 Männer unseres Ortes gestorben oder vermisst gemeldet worden.

Darunter Familienväter im besten Mannesalter, junge Männer, Heranwachsende sogar. Vielleicht haben manche davon zu Beginn des Krieges noch im Schulhof gespielt, die Schule mit Zukunftsplänen beendet oder gerade geheiratet?

Die meisten Familiennamen sind bekannt;

die Männer selbst, derer wir uns heute erinnern und deren Namen hier eingemeißelt sind, sind mittlerweile nur noch wenigen persönlich bekannt. Gleichwohl gilt es, nicht nur bei den Betroffenen, die verblassende Erinnerung an ihre Angehörigen zu bewahren.

Die Erinnerung muß auch über den Volkstrauertag hinaus, und auch über die persönlich betroffene Erlebens-Generation hinweg, wach gehalten werden. Denn Erinnern heißt mahnen.

Mahnen, dass wir nicht aufhören dürfen, am Frieden zu arbeiten und dafür einzutreten. Auch, wenn uns das angesichts der nicht enden wollenden kriegerischen Auseinandersetzungen, des Terrors und der Gewalt seit dem Ende des II. Weltkriegs  fast sinnlos erscheinen mag - oder gerade deswegen.

Wir schauen auf den nahen Osten und hoffen, dass dort vielleicht doch wieder ein Friedensprozeß in Gang kommt. An viele andere Krisenherde  der Welt geht unser Blick, denn zum einen wissen wir mittlerweile, wie sich instabile Verhältnisse selbst Tausende von Kilometern entfernt auf uns auswirken können und zum anderen sind in vielen Regionen auch deutsche Soldaten mit einem Friedensmandat im Einsatz.

Nicht nur vor diesem Hintergrund, muß unser aller Engagement für den Frieden und die Gerechtigkeit in der Welt noch intensiviert werden.

Und diese Friedensarbeit fängt im kleinen an - mitten unter uns müssen wir für eine friedfertigere Welt sorgen. In den Familien, im Umgang miteinander, in unserer Gesellschaft. Wir dürfen nicht zulassen, dass Gewalt als Lösungsweg akzeptiert wird. Jede Form von Gewalt muß uns betroffen machen. Die Folgen waren und sind immer fatal.

Für die, die dabei zugrunde gehen, aber auch für die, die zurück bleiben. Die Hinterbliebenen müssen mit der Erinnerung zurechtkommen - und dem was geblieben ist. Vielleicht ein Bild des geliebten Menschen, das allmählich in der Erinnerung verblasst. Ein persönlicher Gegenstand, ein Ring, ein Foto kann helfen, das Andenken zu bewahren, es aufzufrischen. 

In vielen Fällen sind es auch Briefe, inzwischen leicht vergilbt, die Kunde geben von dem, der sie einst in der Hoffnung schrieb, ein Lebenszeichen senden zu können, die Verbindung mit den Lieben daheim zu festigen. Sie berichten von dem Leid, den Entbehrungen, den Hoffnungen und Wünschen, die jeder mit sich trug, der fern der Heimat im fremden Land sein Leben verbringen und oft lassen musste. „In ihren Briefen leben sie fort“ - diese Feststellung, die seit dem Ende des Krieges die Hinterbliebenen ein wenig tröstet, gilt auch heute noch. Millionen von Briefen sind in den Jahren des Krieges hin und her gegangen.

Von einem ganz außergewöhnlichen habe ich bei der Vorbereitung dieser Rede gelesen. Verfasst wurde er von einer Frau, die in der bitteren Gewissheit leben musste, ihren geliebten Mann nie wieder sehen zu können:

Er war an der Ostfront gefallen. Dennoch schrieb sie ihm die folgenden Zeilen:
„Mein lieber Mann! Deine Hand wird dieses Blatt nicht halten und deine Augen werden nicht auf diesen Zeilen ruhen. Aber jede Wolke, die am Himmel nach Osten treibt, trägt einen zärtlichen Gruß von mir mit sich, und jeder Stern, der mit seinem schönen Leuchten über der nachtdunklen Welt steht, ist ein liebender Gedanke an Dich. Wie kurz auch die Dauer unseres Glückes war, seine Tiefe werden Zeit und Ewigkeit nicht ausloten. Alle Farben des Lebens, in das wir einst hinein sahen, fließen seither gedämpfter. Aber jede Stunde ruht wie eine Kostbarkeit in meinem Herzen. Meine unverbrüchliche Liebe spannt den Bogen über den Tod zu Dir. Wie sollte ich nicht getrost sein? Mein Leben ist ein immer kürzer werdender Weg zu Dir.“

Dieser Brief mahnt uns, die Lebenden, alles zu tun, um die Opfer des Krieges nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Totenehrung

In ehrfürchtiger Erinnerung denken wir heute an die Opfer von Gewalt und Krieg,

Kinder, Frauen und Männer aller Völker.

Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlung oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren.

Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugerechnet wurden oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert bezeichnet wurde.

Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen Gewaltherrschaft leisteten, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihre Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.

Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, die Opfer sinnloser Gewalt, die bei uns Schutz suchten.

Wir trauern mit den Müttern und mit allen, die Leid tragen um die Toten.  

Doch unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der Welt.

Zum Andenken an unsere Toten und im Gedenken an alle Opfer von Kriegen und Gewalt legen wir hier Kränze nieder.
Die Erinnerung muß wach bleiben und uns mahnen.

 

Gedichtvortrag Katja Ranftl  

"Paul"

Neunzehnhundertsiebzehn
an einem Tag unter Null geboren,

rannte er wild über den Kinderspielplatz,
fiel, und rannte weiter,

den Ball werfend über den Schulhof,
fiel, und rannte weiter,

das Gewehr im Arm über das Übungsgelände,
fiel, und rannte weiter

an einem Tag unter Null
in ein russisches Sperrfeuer

und fiel.

von Rainer Brambach (1917 – 1983) / Deutsch-Schweizer Dichter


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