In würdevoller Weise wollen wir am Sonntag, dem 13. November 2005, der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft gedenken.
In Hüffenhardt findet die Gedenkfeier mit Kranzniederlegung gegen 10.30 Uhr (nach dem ev. Gottesdienst) am Ehrenmal statt.
Vortragsfolge
Trauermarsch aus „Saul“
Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
Gesangsbeitrag „Frieden“
MGV "Sängerbund 1845" e. V. Hüffenhardt
Gedenkansprache
Bürgermeister Bruno Herberich
Kranzniederlegung
Gemeinde + Bundeswehr
„Ich hatt' einen Kameraden“
Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
Gedichtvortrag „Wann ist denn endlich Frieden“ Marina Schulz
Lied „Friede“
MGV "Sängerbund 1845" e. V. Hüffenhardt
Nationalhymne
Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
gemeinsam mit Teilnehmern
Soldaten unserer Patenbatterie, der 5./Panzerflugabwehrkanonenbataillon 12 aus Hardheim, stellen eine Ehrenwache am Ehrenmal.
Die Gedenkfeier in Kälbertshausen findet gegen 11.45 Uhr (nach dem Gottesdienst) am Ehrenmal statt.
Vortragsfolge
Trauermarsch aus „Saul“
Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
„Tebe Pajom“
GV "Edelweiß 1905 " Kälbertshausen
Gedenkansprache
Ortsvorsteher Erhard Geörg
Kranzniederlegung
Mitglieder des Ortschaftsrats
GV "Edelweiß 1905" Kälbertshausen
„Ich hatt einen Kameraden“
Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
„Die Gott lieben“
GV "Edelweiß 1905" Kälbertshausen
Nationalhymne
Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
gemeinsam mit Teilnehmern
Zur Teilnahme an diesen Gedenkfeiern ist die Bevölkerung herzlich eingeladen.
Bruno Herberich
Erhard Geörg
Bürgermeister
Ortsvorsteher
Gedenkansprache von Bürgermeister Bruno Herberich
„Der Tag beginnt. Panzer und Fahrzeuge rollen ununterbrochen am Haus vorbei, über Siegelsbach, Rappenau, Jagstfeld zu. Dort leisten die deutschen Truppen heftigen Widerstand. Wir hören starkes Artilleriefeuer von der Front. Mit wehmütigem Gefühl vernimmt man, daß drei deutsche Soldaten bei der Verteidigung von Hüffenhardt ihr Leben lassen mußten. "Gefallen bei Hüffenhardt." Wer hätte geahnt, daß auch unsere Erde einmal deutsches Soldatenblut trinken muß.“
Werte, im Gedenken Versammelte,
im April
dieses Jahr waren es 60 Jahre, dass diese Zeilen geschrieben wurden. Nicht
irgendwo in der Welt, nein hier in Hüffenhardt. Es ist ein Tagebuchauszug von
Frau Anneliese Schneider, der uns die Geschehnisse der letzten Kriegstage
vergegenwärtigt.
Es lässt uns nur leicht erahnen, was die Menschen damals - Sie, die Älteren, die
heute hier sind - mitgemacht haben. Auch hier in Hüffenhardt. Und das ist nur
ein kleines Spektrum der hässlichen Fratze des Krieges.
Kein Heldenepos, keine Steiner’sche Eiserne-Kreuz-Geschichte. Reale Angst,
erlebte Schrecken, durchlebtes Leid.
In vielen von Ihnen ist die Erinnerung an leidvolle Geschehnisse noch lebendig.
Die Nachricht etwa, dass nahe Angehörige, die - wie sie glaubten - ihrem
Vaterland dienten, auf dem Schlachtfeld ihr Leben lassen mussten. Oder die
Zeilen, die ein knapp Neunzehjähriger nach einem kurzen Heimaturlaub 1943 nach
Hause schrieb und die voller Wehmut lauteten: „Ich habe im Zug, solange es ging,
den Kirchturm nicht aus den Augen verloren, als würde ich ihn zum letzten Mal
sehen“. Es war das letzte Mal!
Worte wie diese lassen uns auch heute noch ahnen, wie grausam Krieg in den
Alltag, das Lebensglück des einzelnen Menschen eindringt.
Aber, ist uns bewusst, dass es im letzten Jahrhundert eine Zeitspanne von nur
dreißig Jahren gab, die uns zwei Weltkriege mit Millionen von Toten und
Abermillionen von Verletzten, Geschundenen, Vertriebenen und Leidtragenden
aufzwang? Und dass zwischenzeitlich sechzig Jahre vergangen sind, die uns die
Schrecken und das unsägliche Leid neuer Weltkriege ersparten.
Wir haben uns in unserem seit 15 Jahren durch friedliche Revolution wieder
vereinigten Vaterland und in einem vereinten Europa daran gewöhnt, dass wir in
Frieden leben dürfen.
In Frieden
leben?
Wir ja, in unserem Land, in großen Teilen Europas, und wir dürfen glücklich sein
darüber.
Es muß uns aber bedrücken, dass in vielen Teilen unserer Welt die Menschen nicht
in Frieden leben können, sondern die Schrecken von Kriegen mit Toten erleben,
schmerzliche und oft bleibende Wunden, Folter an Leib und Seele sowie
Vertreibung erdulden müssen. Ich denke an die Bilder, die uns fast alltäglich
von den kriegerischen Auseinandersetzungen in aller Welt zugemutet werden. An
die nicht enden wollende Gewalt im Irak, an die Situation in Afghanistan, wo
auch unsere Soldaten im Einsatz sind. Oder im Kosovo, wo noch immer der Einsatz
von friedensichernden Truppen erforderlich ist, um den Menschen dort einen
Neubeginn oder ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen.
All diese und andere schreckliche Ereignisse in vielen Ländern unserer Welt
mögen uns vielleicht - emotional - fern sein, aber sie sind doch so nah. -
Nicht nur die Welt der Medien sorgt dafür!
Für unsere Soldaten sind Krieg und Unruhen mittlerweile wieder real existent.
Etliche Angehörige des Panzerflakbataillons waren bereits in friedensichernden
Missionen; Oberleutnant Müller, der Batteriechef unserer Patenbatterie, war im
Kosovo eingesetzt und HFw Wehr ist zur Zeit dort.
Deutsche Soldaten an fremden Konfliktherden. Passt das zum Volkstrauertag? Passt
das zu der Forderung „Nie wieder Krieg.“?
Ich möchte hier und heute, am Gedenktag für die Opfer zweier Weltkriege, von
Terror und Gewaltherrschaft, Flucht und Vertreibung, dazu ein klares Ja sagen.
Denn die Soldaten der Bundeswehr stehen für Frieden und Sicherheit, für Freiheit
und Demokratie. Dafür setzen sie ihre Gesundheit und ihr Leben ein. Und dafür,
dass das Gedenken und das Gewissen wach gehalten wird, stehen sie heute hier.
Seit dem Ende des II.
Weltkriegs sind nun schon sechs Jahrzehnte vergangen. Die Generation, die die
Urgewalten der großen Kriege in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts
erlebt hat, ist gelichtet. Die Zeit hat die Schmerzen und das Leid verdrängt und
sie gnädig bedeckt.
In dieser Zeit sind die Völker, die früher in Europa ihr Blut vergossen haben,
Freunde geworden. Die Soldaten haben sich über nationale Grenzen hinweg
europäisch formiert.
Aus unserer europäischen Gesinnung heraus und des werdenden Europas würdig,
schließen wir an diesem Tage alle ehrend in unser Gedenken ein, die in Europa in
einem sinnlosen Krieg der Völker ihr Leben verloren haben. Unter diesen Toten
sind auch Großväter und Väter von Soldaten, mit denen unsere Soldaten heute in
freundschaftlicher Tuchfühlung gemeinsamen Dienst verrichten.
In unser Gedenken wollen wir sie alle einschließen, alle Soldaten, die in den
Weltkriegen gefallen sind, im Westen und im Osten, und auch alle, die in der
Heimat durch Bomben starben oder in Gefangenschaft oder durch Vertreibung ihr
Leben verloren.
Auch denken wir dabei an die Toten unserer Partnergemeinden Champvans und
Máriakálnok. Ihnen fühlen wir uns in dieser Stunde besonders verbunden.
Ist doch auch dies Inhalt unserer partnerschaftlich-freundschaftlichen
Verbindungen, ein friedvolles Miteinander zu leben.
Sechzig Jahre nachdem unsere Völker verfeindet waren. Geschunden in einem
sinnlosen Krieg, in dem Millionen Tote und Verletzte zu beklagen waren,
Dass dies nicht wieder geschieht, dass künftig Kinder ihre Eltern und Eltern
ihre Kinder nicht wieder in Kriegen verlieren, die nicht geführt werden müssen
oder dürfen - deshalb müssen wir alle aufpassen, dass wir die Wirklichkeit in
der Welt mitbekommen, sie sehen und hören. Und wir müssen immer sehen und hören,
dass wir diese Wirklichkeit von Propaganda unterscheiden - auch heute noch.
Und deshalb brauchen wir auch künftig den Volkstrauertag. Als Tag des Erinnerns
an die Schrecken der Kriege, die geführt wurden und werden. Und als Tag der
Mahnung vor den Kriegen, die in Zukunft geführt werden sollen.
Wird uns, vor allem den Generationen, die Krieg aus eigenem Erleben nicht kennt,
sonst noch bewusst, was der Tod für Angehörige, was Not und Elend, Hunger und
Vertreibung für durch Krieg betroffene Menschen bedeutet?
Viele Menschen neigen dazu, all dies zu verdrängen - aus welchen Gründen auch
immer.
Was bedeutet nach dem großen zeitlichen Abstand zu den Schrecken der beiden
Weltkriege und auch angesichts der Erkenntnis, dass die junge Generation das,
was ihre Großmütter und Großväter erleben mussten, allenfalls mit historischer
Neugier, teils aber auch mit Gleichgültigkeit oder gar Unverständnis betrachtet,
uns der Volkstrauertag; der im meist trüben Novembermonat seinen festen Platz
hat?
Die gemeinsame Trauer, das Gedenken, soll uns alle verbinden. Damit bekennen
wir, dass wir zur Trauer und auch zur Auseinandersetzung mit unserer Geschichte
fähig sind.
Wir können nicht ausweichen. Wir müssen uns den Fragen der Toten, den stummen,
anklagenden Fragen immer wieder stellen, immer wieder dem Unbeantwortbaren eine
Antwort abfordern, immer wieder im Sinnlosen einen Sinn, im Trostlosen einen
Trost suchen.
Es könnte für uns alle lebensbedrohend werden, wenn die jungen Jahrgänge unserer
Zeit und nach ihnen die späteren Generationen das ganze Ausmaß der schrecklichen
Folgen kriegerischer Auseinandersetzungen und verbrecherischer Handlungen aus
Gleichgültigkeit vergessen, sich von Leid und Tränen in Millionen von Familien
achselzuckend abwenden.
Wir müssen, auch Jahrzehnte danach, aus Verantwortung vor der Geschichte die
Verpflichtung spüren, all jener zu gedenken, die den Tod fanden - möglicherweise
in dieser Stunde des Gedenkens ihr Leben verlieren - weil es den Lebenden nicht
gelang und nach wie vor nicht gelingt, eine Welt zu schaffen, in der die
Apokalyptischen Reiter gezähmt werden konnten und können.
Eine Welt der Freiheit, der mitmenschlichen Brüderlichkeit für alle, eine Welt,
in der die Gewalt entthront ist, eine Welt des Friedens.
„Aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen“ - ein Sinnbild des
Volkstrauertages. Dieses Motto, das Bekenntnis und Aufforderung zugleich ist,
gilt heute und auch noch morgen.
Denn nur eine Gemeinschaft, die ihre Toten ehrt, ist fähig, sich selbst zu achten und verantwortlich zu handeln für die nachwachsenden Generationen. Die Gräber der Opfer der Vergangenheit sind Zeugen der Geschichte. Und diese Zeugen sind uns Mahnung.
Vergesst uns nicht und tut alles, um neue Gräber für neue Opfer zu verhindern. So bleibt uns und aller Welt der Volkstrauertag ein „Friedens-Mahntag“.
Wir
gedenken heute
den Millionen Toten der Weltkriege und der Gewaltherrschaft.
Wir
trauern
um die Soldaten, die ihre Eltern nie wieder sahen,
die ihre Frauen und Kinder nie wieder sahen,
deren Leben doch gerade erst angefangen hatte.
Wir
trauern
um die Menschen, alte und junge, die ihre Heimat verlassen mußten,
die alles verloren,
die den Strapazen der Flucht nicht gewachsen waren und unterwegs starben.
Wir
trauern
um die Menschen, die in Lagern an Seuchen erkrankten
und ohne ärztliche Hilfe starben.
Wir
trauern
um die Kinder, die erfroren und verhungerten,
deren Leben vorbei war, ehe es noch richtig begonnen hatte.
Wir
trauern
um die chronisch Kranken und Behinderten,
die nicht in das nationalsozialistische Weltbild paßten,
und die deshalb getötet wurden.
Gedenken heißt,
wir haben euch nicht vergessen,
wir wollen aus dem Vergangenen lernen,
den Mut aufbringen,
es nie wieder zuzulassen.
- Kranzniederlegung -
Im Gedenken an unsere Mitbürger und an alle Toten, die als Soldaten, in den Weltkriegen starben, durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren, die Opfer der Nazi-Diktatur, von Gewalt und Krieg wurden legen wir einen Kranz nieder.
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