Literatur quer Beet für jedes Alter

Frederick-Programm in Hüffenhardt - Nachlese

Ein Frederick-Tag, als landesweites Lesefest ausgerufen, hat für das Hüffenhardter Programm noch nie genügt: Fünf Veranstaltungen in zwei Wochen hat die Gemeindeverwaltung unter Federführung von Kerstin Lais in diesem Jahr geplant und durchgeführt, nicht denkbar allerdings ohne den Einsatz freiwilliger Helferinnen, die auch im Jahr 2006 für vielfältige Literatur-Kostproben sorgten.
Den Auftakt machte am 16. Oktober die Sinsheimer Autorin Christine Friedrich. Geboren in der Ex-DDR, ist sie in Sinsheim heimisch geworden und bekannt durch ihre Arbeit im Stadtmuseum, beim Hecker-Theater und durch ihren Sinsheim-Bildband. Sie stellte ihren Erstlings-Roman „Der Himmel jenseits der Mauer“ vor, ein kurzweiliges Hör-Erlebnis, bei dem das Publikum von der Theatererfahrung der Erzählerin profitierte. Das Gespräch mit Moderatorin Annette Gast-Prior ergänzte den Eindruck von der Ex-DDR, wie sie ein Geschwisterpaar in seiner Jugendzeit in den sechziger Jahren erlebte: als Hinterfragen der sozialistischen Ideologie, als Sehnsucht nach Freiheit, als Erkenntnis des Andersseins. Szenen aus dem Roman weckten bei den Zuhörern Erinnerungen an eigene Erfahrungen mit der DDR auf Reisen, durch Briefkontakte oder durch die frühere Partnerschaft der evangelischen Kirche mit der Gemeinde Putlitz. So schlug der Blick zurück eine Brücke zur neueren deutschen Geschichte. Aus der Distanz betrachtet ein Kapitel, das Friedrich neben aller Kritik und Beklommenheit durchaus mit großer Sachkenntnis und auch mit Humor gewürzt hat.
Kriemhilde Luckhaupt stellte am Dienstag, 17. Oktober im Kindergarten Kälbertshausen das Dia-Bilderbuch „Die Hempels räumen auf“ vor. Sie erzählte den Kindern von der Familie Hempel, die gerne einen Kuchen backen würden, wenn sie bloß den verflixten Schneebesen finden könnten. Daraufhin beschlossen sie, die ganze Wohnung aufzuräumen. Als dann der Schneebesen wieder zum Vorschein kam, wurde der geliebte Schokoladenkuchen gebacken. Gemeinsam saßen die Hempels nun am Tisch und genossen den selbstgebackenen Kuchen. Auch die Kindergarten- und Schulkinder durften sich zum Abschluß des schönen Nachmittags über einen selbstge-backenen Kuchen von Frau Luckhaupt freuen.
Am Donnerstag, 26. Oktober war „Freunde fürs Leben“ das Thema von Martina Herberich. Sie erzählte in der Grundschule zwölf interessierten Kindern die Dia-Geschichte von Tyrannosaurus, der keine Freunde hat, weil er sie immer frisst. Gespannt lauschte man, wie es dem Tyrannosaurus gelingen würde, sein Problem zu lösen: immer, wenn er einen neuen Freund kennengelernt hatte, musste er ihn gleich darauf verspeisen und war dann unendlich traurig, daß er alleine war und wieder keinen Freund mehr hatte. Zum Glück kam aber eines Tages die kleine Maus Mollo zu ihm und konnte ihm helfen. Geschickt verstand sie es, dem Tyrannosaurus das Kuchenbacken zu lernen und am Ende wurden beide Freunde fürs Leben.
Rund um die Literatur ging es in den Frederick-Wochen auch an der Grundschule. Am Dienstag, 17. Oktober besuchte ein Märchenerzähler aus Heidelberg die Kinder in der Schule. Herr Scholl nahm sie mit in die Welt der Märchen. Gebannt hörten nicht nur die Schülerinnen und Schüler der Schule zu, sondern auch die Krokodile des Hüffenhardter Kindergartens, die im Rahmen der Kooperation Kindergarten-Grundschule an der Veranstaltung teilnahmen. Der Märchenerzähler beantwortete geduldig alle Fragen seiner Zuhörer und verabschiedete sich mit dem Märchen "Sterntaler".
Am Donnerstag, 19. Oktober kam Tina Zang zu einer Autorenlesung ins Spatzennest der Grundschule. Sie las aus ihrem noch nicht veröffentlichten Buch "Die Karatehamster", stellte ihre bereits veröffentlichten Bücher vor und beantwortete die Fragen der Kinder, die vor allem mit der Entstehung eines Buches zu tun hatten. Nach der Autorenlesung war klar, daß sie alle wissen wollten, wie es weitergeht. Enttäuscht waren die Kinder, als sie erfuhren, dass bis zur Veröffentlichung dieses Buches noch mindestens ein Jahr vergehen wird.
Am 26. Oktober machte sich dann die Klasse 4 auf den Weg in den Kindergarten. Dort lasen sie den Krokodilen aus ihren Lieblingsbüchern vor. Die Kindergartenkinder hörten begeistert zu und den Schülerinnen und Schülern machte das Vorlesen vor diesem tollen Publikum großen Spaß.
Die Frederickwochen an der Schule schlossen mit einem Projekttag ab, der sich in diesem Jahr um Otfried Preußler drehte. Es wurde vorgelesen, gelesen und gebastelt, musiziert und erzählt. Die Kinder der 3. und 4. Klasse beschäftigten sich außerdem mit dem Lebenslauf von Otfried Preußler. Der Vormittag verging wie im Flug.
"Machen wir das bald mal wieder, das hat so Spaß gemacht!", meinte eine Schülerin.


Den Abschluss der Literatur-Reihe machen Uschi Schmidt, Martina Rühl und Annette Gast-Prior mit einer Lesenacht am Freitag, 27. Oktober:
Als Jojo ihrer Flamme Nils beim Pommesessen das T-Shirt mit Ketchup bespritzt und mal wieder fast alles vermasselt, was sie mühsam eingefädelt hat, weckte das Gekichere diejenigen, die schon eingedöst waren. Schließlich war es da schon halb elf, und für die meisten der späte Ausgang an einem Schultag die Ausnahme: „Doppelt geküsst hält besser“ von Hortense Ullrich hat den Hüffenhardter und Kälbertshäuser Lesenachtkindern Spaß gemacht. „Das mit dem Ketchup war am besten“, fanden viele, die Nacktschneckenzucht von Jojos Schwester Flippi oder die frechen Leserbriefantworten, die Kummerkastentante Jojo für die Schülerzeitung verfasste, rangierten ebenfalls vorne auf der Hitliste.
Nach dem kleinen Hobbit und dem jüngsten Harry-Potter-Band im letzten Jahr hatten sich die Vorleserinnen bei der Planung ihrer sechsten Lesenacht auf leichte Kost verständigt: Die Viertklässler aus der Grundschule waren heuer gut vertreten bei dem Vorleseabend unter dem Schulhausdach und bester Laune: Eine muntere Truppe marschierte pünktlich um 19.30 Uhr auf, wie üblich wurde das blanke Linoleum im heimelig geschmückten Mehrzweckraum im Handumdrehen zum gemütlichen Kuschellager aus Kissen, Decken, Schlafsäcken und Isomatten. Was man so alles braucht, um beim Vorlesen gemütlich zu campieren, geben die erfahrenen Jungs und Mädels inzwischen weiter. Die gebürtige Hüffenhardterin Martina Rühl, früher Kindergartenleiterin in Siegelsbach und vor zwei Jahren ins Bayerische ausgewandet, hatte es sich nicht nehmen lassen, als Mit-Initiatorin der Veranstaltung heuer wieder dabei zu sein.
Unter ihrer Regie wurden die Tanzspiele unter der Discokugel im rosaroten Herzchen-Ambiente zu einem Höhepunkt des Abends: Begeisterter Beifall für die Zeitungstänzer, die, huckepack, noch auf dem kleinsten Zeitungsabschnitt so etwas wie einen Tanz zustande brachten und für perfekte Techniken beim Weitergeben von Luftballons mit den Knien und von Tennisbällen von Kinn zu Kinn. Nils und Jojo kriegten sich am Ende. Als kurz vor Schluss die ersten Eltern kamen, hätten einige noch gern abgestimmt, ob man die nicht noch ein bisschen warten lassen könnte.
 
 
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