Kerwe in Hüffenhardt vom 21 - 23. Oktober 2006

Dampfzugfahrten, Schlachtfest, Flohmarkt, Herbstkonzert und Kerwerummel

Pendelfahrten der Unterländer Eisenbahnfreunde Heilbronn e.V. mit historischem Dampfzug als Zeichen für den Erhalt der Krebsbachtalbahn
Auf der romantischen Nebenbahn durch Schwarzbach- und Krebsbachtal verkehrte samstags ein historischer Zug, gezogen von einer badischen Schlepptenderlok der Baureihe G12, einer Rarität aus dem Jahr 1921 (Foto: Daniel Saarbourg) mit Personenwagen der 1950er Jahre, wie sie teilweise früher auch im Schwarzbachtal unterwegs waren.

Viele nutzten dieses seltene Angebot; die Züge am Samstag kamen gut gefüllt in Hüffenhardt an. Auch sonntags war das Interesse groß. Am Morgen bevölkerten viele die Bahnsteige von Meckesheim bis nach Hüffenhardt. Leider mußten die Eisenbahnfreunde einem schweren technischen Defekt Tribut zollen, der die Lok bei Meckesheim ereilte,  und alle Sonntagsfahrten absagen.

Ein Dankeschön gilt dennoch den Unterländer Eisenbahnfreunden für ihr großartiges Engagement. Wir hoffen sehr auf eine Wiederholung - das Interesse spricht dafür.

 

und so berichtete die Kraichgau Stimme am 23. Oktober:

Höllisch glüht es im Bauch des Stahlkolosses
Von Annette Gast-Prior
Dampfzuggäste genossen am Wochenende zwischen Meckesheim und Hüffenhardt die reizvolle Landschaft
Schwarz, rot, Schweiß. Der Schluck Brause aus der Pulle, den Heizer Matthias Polz sich genehmigt, hat dieselbe Farbe wie die Kohle im Tender der Güterzug-Dampflok vom Typ G12, die mit Volldampf durch die Brunnenregion unterwegs ist. Matthias Polz trinkt, strahlt und öffnet die Luke: Höllisch heiß glüht es im Bauch der stolzen alten Dame, die mit ihren 85 Jahren 132 Tonnen aufs Gleis bringt und „schnauft wie das Elfer-Zügle“. Daher muss der alte Spruch rühren, der entlang der Nebenstrecke ein geflügeltes Wort ist.
Entenmörder Auf den Gleisen der Südwestdeutschen Eisenbahngesellschaft (SWEG) verkehren seit über hundert Jahre die sarkastisch als Entenmörder bezeichneten Bahnen, im Alltag von Dieseltriebwagen gezogen. An Waggons nach Art der vier, die die G12 zwei Tage lang von Meckesheim bis Hüffenhardt zog, erinnert sich Susanne Bach. Die Daisbacherin nutzte mit ihrem Mann die Gelegenheit, per Bahn von Waibstadt aus zu Hüffenhardter Freunden zu reisen. Sie weiß noch, dass sie in ihrer Jugend in ähnlichen Zügen gefahren ist: „Das Gefühl stimmt“, stellt sie fest, der Rußgeruch und die Uniformen der Ehrenamtlichen vom Veranstalter, dem Verein Unterländer Eisenbahnfreunde Heilbronn, tun ein Übriges, um echte Eisenbahnerromantik heraufzubeschwören. Die Vereinslok „Käthchen von Heilbronn“ wartet in Menzingen auf die Kesseldruckprüfung, die G 12 kommt aus Ettlingen.
An Dampfzugfahrten in seiner Jugendzeit erinnert sich Walter Peter, der in Obergimpern die G 12 als Fotograf erwartet. Als Kind ist er noch Schnellzugdampflok gefahren, eine liebe Erinnerung. „Eine E-Lok hat einfach nicht diese mechanische Erotik“, ist seine Erklärung für die Faszination, die die schwarzen Stahlkolosse nach wie vor ausstrahlen. Videokamera, Stativ und festes Schuhwerk gehört zu der Ausrüstung der Eisenbahnfilmer und -fotografen, die die Strecke am Wochenende säumen.
Verspätungen Ellen Heusler hatte im Internet über die Fahrt gelesen und gehört am Samstag zu einer Gruppe Dampfzugfahrer, die in Siegelsbach Station machen und nach einer knappen Stunde Mittagspause im Gasthaus zur Eisenbahn wieder am Bahnsteig stehen. Die Verspätung von über einer halben Stunde durch längere Aufenthalte an einzelnen Bahnhöfen hatte das Team der Eisenbahnfreunde in Hüffenhardt wieder wett gemacht. Mit 20 Ehrenamtlichen und SWEG-Personal bewältigt der Verein die Sonderfahrten: Oliver Brückom ist Maschinenbaustudent, Hobby-Lokführer und befolgt konzentriert die Kommandos „Bremse anlegen“ oder „noch zwei Längen“.
Moderne Technik erleichtert das Rangieren, auch wenn es wie ein Stilbruch anmutet: SWEG-Triebfahrzeugführer Rüdiger Bähr empfängt die Befehle auf dem Lokführerstand von seinem Kollegen auf dem Hüffenhardter Bahnhof und gibt sie weiter. Als die Lok für die Rückfahrt umgesetzt ist, kommt eine Tafel Schokolade aus dem Zuschauerkreis geflogen. Kommentar: „Zum Kräftetanken.“
Matthias Polz schaufelt Kohle. Sieben Tonnen hat der Tender geladen, weiß der Ellhofener, der zwischen Crailsheim und Kaiserslautern jedes zweite Wochenende auf einer Lok verbringt. „Aus Leidenschaft.“ Und dass er sonntags mit der Familie mitfährt, um die Strecke aus anderer Warte zu genießen.

Anmerkung: Leider mußten die Sonntagsfahrten - wie oben erwähnt - dann ausfallen.

 

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