| Das Wort vom „Tempel aus lebendigen Steinen“
als Bild für die Gemeinde begleitete die Feier. Als Festredner hatte Gumbel
selbst seinen Kollegen und Freund, Neckarbischofsheims Pfarrer Joachim Pieler,
bestimmt, der weit in die Vergangenheit blickte - in die Zeit vor 1476, als
die katholische Pfarrei Hüffenhardt, genau umgekehrt wie heute, noch
Mutterkirche von Siegelsbach, Wagenbach und Wollenberg war. Damals hielt der
Hüffenhardter Geistliche immer donnerstags eine Frühmesse in der Siegelsbacher
Kapelle. Hüffenhardt wurde schon sehr früh reformiert, die evangelische Kirche
untersteht bis heute der Patronatschaft derer von Gemmingen-Guttenberg. Zehn katholische Christen sollen in der
Gemeinde gelebt haben, als nach dem zweiten Weltkrieg rund 600 Katholiken aus
Ungarn, dem Sudetenland, Jugoslawien und Rumänien angesiedelt wurden. Die
erste Heilige Messe wurde in einer Baracke gefeiert. Bis es nach jahrelangen
Planungen zum 110 000 Mark teuren Kirchenbau kam, nutzten die Katholiken gegen
Mietzahlungen die evangelische Kirche am Ort. Was Pieler mit Maria Königin
verbindet, ist seine eigene, gleichnamige Kirche in Neckarbischofsheim, vor
allem aber sein bester Freund Gumbel.
Der katholischen Kirche verhaftet und „der
Freiheit eines Christenmenschen ergeben“, habe er ihn als glaubensfest und
wohltätig gekannt, ein Kirchenmann, der seine Gemeinden und Hilfebedürftige
auch finanziell stets großzügig bedachte. Das Hauptgebot der Liebe sei es,
„was wir als Vermächtnis von Pfarrer Gumbel mitnehmen“. Tiefe Dankbarkeit
verbindet Pfarrgemeinderatsvorsitzender Thorsten Waberschek mit Gumbels
Wirken. Ein „bewegtes Gemeindeleben“ habe das Gotteshaus gesehen, dessen
Einweihung vor 50 Jahren als „selten schöner Festtag“ in die Chronik einging.
Fleißige Gemeinde Höhepunkt damals: die Weihung
durch Missionsbischof Augustin Olbert. Damit nach langer Zeit wieder ein
Bischof in die Kraichgaugemeinde komme, hatte Pieler als Gastgeschenk ein
Konterfei von Erzbischof Robert Zollitsch mitgebracht. Die Innenrenovierung
auf die Jubiläumsfeier hin hatte Gumbel ebenso wie frühere Arbeiten oder die
Orgelweihe 1993 mit vorbereitet, immer mit Pfarrgemeinderat Karl Waberschek.
Zusammen hatten beide in der Gemeinde bei allen Veränderungen das Bleibende
gepflegt. Dekan Wehrle wies darauf hin, dass beim Kirchenbau der Fleiß der
Gemeindemitglieder, aber auch die Zuwendung aus dem Diasporawerk entscheidend
waren. Zeichen ökumenischer Zusammengehörigkeit war am Sonntag, dass neben dem
Siegelsbacher Cäcilienchor auch beide Kirchenchöre aus Hüffenhardt und der
Gospelchor Join us den Festgottesdienst bereicherten.
Bürgermeister Bruno Herberich hat angekündigt,
die Gemeinde werde einen Baum spenden, der Pfarrer Gumbel gewidmet werden
soll. Der neuen Seelsorgeeinheit wünschte auch Siegelsbachs
Pfarrgemeinderatsvorsitzender Rudolf Jung alles Gute. Offiziell übernimmt
Gätschenberger am 2. Adventswochenende die Gemeinden Siegelsbach und
Hüffenhardt mit Kälbertshausen.
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