Volkstrauertag 2006

Gedenkfeier zum Volkstrauertag
In ehrendem Gedenken an die Opfer der Weltkriege aus der Gemeinde und an alle Opfer von Kriegen und Gewalt versammelten sich am Volkstrauertag zahlreiche Menschen an den Denkmalen in Hüffenhardt und Kälbertshausen.
In Hüffenhardt stellte die Bundeswehr eine Ehrenwache durch Soldaten der 5./PzFlakBtl 12, der  Patenbatterie der Gemeinde.
Gedenkfeiern am Volkstrauertag 2006 - Einladung

In würdevoller Weise wollen wir am Sonntag, dem 13. November 2005, der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft gedenken.

In Hüffenhardt findet die Gedenkfeier mit Kranzniederlegung gegen 10.30 Uhr (nach dem ev. Gottesdienst) am Ehrenmal statt.

Vortragsfolge
Trauermarsch von Ludwig van Beethoven           Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
Lied
„Meine Seele ist stille in Dir“                     Ev. Kirchenchor Hüffenhardt
Gedenkansprache                                           Bürgermeister Bruno Herberich
Kranzniederlegung                                          Gemeinderat + Bundeswehr
„Ich hatt' einen Kameraden“                             Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
Gedichtvortrag
„Gräber“ von Georg Schneider    Tamara Schneider
Lied „Harre meine Seele, harre des Herrn“        Ev. Kirchenchor Hüffenhardt
Nationalhymne                                               Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
                                                                    gemeinsam mit Teilnehmern

Soldaten unserer Patenbatterie, der 5./Panzerflugabwehrkanonenbataillon 12 aus Hardheim, stellen eine Ehrenwache am Ehrenmal.

Die Gedenkfeier in Kälbertshausen findet gegen 11.45 Uhr (nach dem Gottesdienst) am Ehrenmal statt.

Vortragsfolge
Trauermarsch von Ludwig van Beethoven          Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
„Tebe Pajom“                                                 GV "Edelweiß 1905 " Kälbertshausen
Gedenkansprache                                          Ortsvorsteher Erhard Geörg
Kranzniederlegung                                          Mitglieder des Ortschaftsrats
                                                                     GV "Edelweiß 1905" Kälbertshausen
„Ich hatt einen Kameraden“                              Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
Liedbeitrag                                                     GV "Edelweiß 1905" Kälbertshausen
Nationalhymne                                                Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
                                                                      gemeinsam mit Teilnehmern

 Zur Teilnahme an diesen Gedenkfeiern ist die Bevölkerung herzlich eingeladen.

Bruno Herberich                                                      Erhard Geörg 
            Bürgermeister                                                         Ortsvorsteher

 

Gedenkansprache von Bürgermeister Bruno Herberich

Werte, im Gedenken versammelte Anwesende,

„Weil die Toten schweigen, beginnt alles immer wieder von vorn.“ hat der französische Philosoph Gabriel Marcel (1889 – 1973) angesichts der Millionen Toten der Kriege gesagt.

Weil die Toten schweigen und nicht ihre Erlebnisse, ihre Schrecken, ihr Leid hinausschreien, versuchen wir, der Mahnung und der Erinnerung eine Stimme zu geben. Eine Stimme, die uns auffordert, nicht nur zu gedenken, sondern vielmehr nicht abzulassen, die Erinnerung an die Opfer und die Geschehnisse der Vergangenheit zu bewahren, als Brücke in die Zukunft. Und die Bemühungen um ein friedfertigeres Zusammenleben nicht aufzugeben. Die schweigenden Toten ermahnen uns zum Frieden, zu Gerechtigkeit, zu Versöhnung.

Stellen wir uns vor, die Toten der Kriege und Verbrechen würden nicht schweigen, sondern reden, schreien, klagen, jammern. Eine furchtbare Vorstellung!

Wenn die Toten nicht schweigen würden, dann würden sie uns sicherlich ununterbrochen ins Gewissen reden, sie würden uns warnen, uns anflehen: Hört auf mit dem Unfrieden, mit dem Haß, mit der Habgier, mit dem Morden.

Sie würden uns fragen: Wie konnte das geschehen? Wir verstehen nicht, weshalb so viele weggeschaut haben, einfach nicht wahrnehmen wollten, was damals geschehen ist.

Aber es ist nun mal so: Die Toten schweigen.

Und deshalb müssen wir, heute am Volkstrauertag, der Toten gedenken, die durch Kriege und Gewaltherrschaft ihr Leben verloren haben. Denn eigentlich muß man doch verrückt werden, wenn man bedenkt, daß Millionen und Abermillionen Menschen auf den Schlachtfeldern, in Bombennächten, auf Flucht und Vertreibung, in der Gefangenschaft und in Konzentrationslagern ihr meist junges Leben gelassen haben und immer noch lassen.

"Weil die Toten schweigen, beginnt alles wieder von vorn!" - leider hat sich das ja immer wieder bestätigt. Nicht einmal die leise Stimme des Volkstrauertages, die gegen dieses Schweigen sich erheben will, konnte daran etwas ändern. Vier Jahre nach dem Ende des ersten Weltkrieges gab es das erste mal einen Volkstrauertag. In einer Gedenkfeier im Reichstag gedachten die Deutschen ihrer Gefallenen. Auch damals war dieser Tag ein Tag der Mahnung zum Frieden. Sicherlich ahnte an diesem Tag niemand, daß nicht einmal zwanzig Jahre später ein noch viel entsetzlicherer Krieg Schrecken und Verwüstung über viele Länder brachte.

Und heute, sechs Jahrzehnte später?

Wir, direkt hier bei uns, sind verschont geblieben von Tod und Leid. Aber die Welt ist deswegen nicht friedlich geworden.

Im Besucherbuch einer Kriegsgräberstätte in Italien ist zu lesen: „Es ist schön, in Frieden zu ruhen, aber es ist besser, in Frieden zu leben.“

Wir, die wir in Frieden leben, gedenken heute der Menschen, die ihr Leben im Krieg verloren haben: vor vielen Jahrzehnten, vor einigen Jahren oder erst gestern. Denn irgendwo ist immer Krieg.
Es ist einfach, ja bequem, sich zum Frieden zu bekennen und gegen den Krieg zu sein, wenn uns gerade kein Krieg ins Haus steht, wenn wir gar nichts damit zu tun haben. Es wird jedoch bedeutend schwerer, wenn wir tatsächlich damit konfrontiert werden. Und das werden wir zunehmend schon deshalb, weil immer mehr junge Deutsche, als Soldaten im Ausland eingesetzt werden, dort ihr Leben verlieren oder für ihr ganzes Leben traumatisiert von ihren Einsätzen zurückkehren.
Der Krieg in den Medien scheint uns leise und fern, aber Krieg ist nicht leise, sondern laut, erfüllt von Explosionen, Schreien des Schmerzes, Schreien der Angst, Schreien der Trauer ...

Auch wenn uns dieses Szenario fern und fremd ist, müssen wir der Mahnung und dem Eintreten für den Frieden eine Stimme geben.

Eine Stimme, die sich auch im Alltag erheben muß, wenn Unfrieden, Intoleranz und Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft wieder Platz greift. Wenn Menschen aus der Geschichte nichts gelernt haben oder diese gänzlich ignorieren und das Rad der Geschichte zurückdrehen wollen.

Aber auch bereit, wenn es um eine gerechte Verteilung in der Welt geht. Oder um die Unterstützung Anderer für ein Leben in Freiheit, jenseits von Unterdrückung und ideologischem Fanatismus.

Und, wenn die Grundlagen einer freiheitlich-demokratischen Ordnung oder des friedlichen Zusammenlebens in der Welt bedroht sind, wenn der konfliktlösende Dialog verweigert wird, dann muß die demokratische Völkergemeinschaft auch bereit sein dafür einzutreten - als  ultima ratio leider auch mit militärischen Mitteln  – so schwer es auch fallen mag, einen solchen Schritt zu akzeptieren.

Ich möchte in diesem Zusammenhang einen Gedanken der Verbundenheit in das Kosovo senden, an Herrn HFw Jürgen Vogel, den Spieß unserer Patenbatterie, der dort seit Oktober friedenssichernden Dienst verrichtet.

Wenn damals – vor über 60 Jahren – europäische und amerikanische Demokratien nicht bereit gewesen wären, in den Krieg gegen Nazi-Deutschland einzutreten, dann hätten sich Diktatur und Willkürherrschaft weltweit ausbreiten können.

Aber wir müssen auch bereit sein, uns mit der Kritik auseinanderzusetzen, die an unserem Verhalten geübt wird. Dazu gehört etwa der Vorwurf, unsere westliche Gesellschaft sei von weitgehendem Werteverlust, von überbordendem Materialismus und rücksichtslosem Individualismus geprägt, was wir zum Schaden anderer Kulturkreise exportierten. Es liegt an uns, diese Vorwürfe zu entkräften, sei es durch glaubwürdige Erklärung unseres Verhaltens, sei es durch notwendige Korrekturen unseres Verhaltens.

Wir müssen bereit sein, uns mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Nur dann werden wir eine lebenswerte gemeinsame Zukunft haben. Der heutige Volkstrauertag ist ein guter Anlaß, auch hierüber nachzudenken.

Und schließlich gehört dazu auch das Wachhalten der Erinnerung an das, was war. Denn wie anders kann der Mensch lernen, als durch Erinnerung? Die Erinnerung ist die Bedingung allen Lernens.

„Die sich des Vergangenen nicht erinnern, sind dazu verurteilt, es noch einmal zu erleben“, sagt der amerikanische Philosoph George Santayana.  

Totenehrung

In ehrfürchtiger Erinnerung denken wir heute an die Opfer von Gewalt und Krieg,

Kinder, Frauen und Männer aller Völker.
An die, die auf den Schlachtfeldern ihr Leben ließen.
An die, die in Gefangenschaft gerieten und nicht mehr heimkehrten.

Wir gedenken der Menschen, die Opfer der Diktatur wurden, wegen ihrer politischen oder religiösen Überzeugung oder nur, weil sie einer anderen Rasse angehörten.

Wir gedenken der Toten, die bei Flucht und Vertreibung ihr Leben ließen,

Wir gedenken der Opfer des Bombenkrieges in Deutschland und in aller Welt,
unser Erinnern richtet sich aber auch auf die, die Widerstand leisteten und ihre Courage mit dem Leben bezahlten.

Und schließen wir in unser Gedenken auch die Toten aus unseren Partnergemeinden Champvans und Máriakálnok mit ein.

Verneigen wir uns in Ehrfurcht und Dankbarkeit vor den Toten, die für uns ihr Leben ließen.

Frieden ist möglich, wenn wir friedfertig sind. Täglich und gegen Jedermann. Daran zu erinnern, dazu aufzurufen, dafür einzutreten ist unsere Pflicht im Angesicht unserer historischen Schuld. Und deshalb stehen wir nicht vergeblich hier – heute nicht und an keinem zukünftigen Volkstrauertag.

Zum Andenken an unsere Toten legen wir hier an unserer Gedenkstätte einen Kranz nieder. Die Erinnerung bleibt wach.

 

Gräber

Gedicht von Georg Schneider
vorgetragen von Tamara Schneider

Ich lese auf einer hölzernen Tafel:
„Hier liegen Engländer, Deutsche, Franzosen …“
Weit ausgestreckt oder gekrümmt,
Alle in einem Grab, und ein Mann aus Kentucky ist darunter.

Ich kann es noch lesen.
Aber schon schimmert das Holz feuchtgrün vom Regen,
Und in den Kerben der Schrift sitzt der Schimmel.
Wartet ein wenig, und sie wird ausgelöscht sein,
Die Schrift mit dem göttlichen Zeichen.
Wer weint um den Mann aus Kentucky?

Wo mag sie ruhn, die das schrieb, die Hand,
In einer Pause zwischen den Schlachten?
Es regnet auf unsere Erde jeglichen Tag.
Grün ist die Fäulnis. Der Regen fällt.
Nicht ein Roßhaar hält ihn am Himmel,
Und die Hand liegt unter der Erde.

Ich frage euch nun: wollt ihr die Schrift erneuern,
Oder aus neuem Anlass noch einmal schreiben:
„Hier liegen Deutsche, Engländer, Franzosen –
Boches, Tommies, Poilus - …“
Alle in einem Grab, und ein Mann aus Jasnaja ist darunter.

Eine Wolke schwebt am Himmel.
Auch sie wird fallen.
Der Regen ist wie ein feuchtes Tuch,
Und er verschluckt die Antwort.

 

 


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