Volkstrauertag 2006
In würdevoller Weise wollen wir am Sonntag, dem 13. November 2005, der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft gedenken.
In Hüffenhardt findet die Gedenkfeier mit Kranzniederlegung gegen 10.30 Uhr (nach dem ev. Gottesdienst) am Ehrenmal statt.
Vortragsfolge
Trauermarsch von Ludwig van Beethoven
Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
Lied
„Meine Seele ist stille in Dir“ Ev. Kirchenchor
Hüffenhardt
Gedenkansprache
Bürgermeister Bruno Herberich
Kranzniederlegung
Gemeinderat + Bundeswehr
„Ich hatt' einen Kameraden“
Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
Gedichtvortrag
„Gräber“ von Georg
Schneider Tamara Schneider
Lied
„Harre meine Seele, harre des Herrn“ Ev. Kirchenchor Hüffenhardt
Nationalhymne
Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
gemeinsam mit Teilnehmern
Soldaten unserer Patenbatterie, der 5./Panzerflugabwehrkanonenbataillon 12 aus Hardheim, stellen eine Ehrenwache am Ehrenmal.
Die Gedenkfeier in Kälbertshausen findet gegen 11.45 Uhr (nach dem Gottesdienst) am Ehrenmal statt.
Vortragsfolge
Trauermarsch von Ludwig van Beethoven
Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
„Tebe Pajom“
GV "Edelweiß 1905 " Kälbertshausen
Gedenkansprache
Ortsvorsteher Erhard Geörg
Kranzniederlegung
Mitglieder des Ortschaftsrats
GV "Edelweiß 1905" Kälbertshausen
„Ich hatt einen Kameraden“
Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
Liedbeitrag
GV "Edelweiß 1905" Kälbertshausen
Nationalhymne
Feuerwehrkapelle Hüffenhardt
gemeinsam mit Teilnehmern
Zur Teilnahme an diesen Gedenkfeiern ist die Bevölkerung herzlich eingeladen.
Bruno Herberich
Erhard Geörg
Bürgermeister
Ortsvorsteher
Gedenkansprache von Bürgermeister Bruno Herberich
Werte, im Gedenken versammelte Anwesende,
„Weil die Toten schweigen, beginnt alles immer wieder von vorn.“ hat der französische Philosoph Gabriel Marcel (1889 – 1973) angesichts der Millionen Toten der Kriege gesagt.
Weil die Toten schweigen und nicht ihre Erlebnisse, ihre Schrecken, ihr Leid hinausschreien, versuchen wir, der Mahnung und der Erinnerung eine Stimme zu geben. Eine Stimme, die uns auffordert, nicht nur zu gedenken, sondern vielmehr nicht abzulassen, die Erinnerung an die Opfer und die Geschehnisse der Vergangenheit zu bewahren, als Brücke in die Zukunft. Und die Bemühungen um ein friedfertigeres Zusammenleben nicht aufzugeben. Die schweigenden Toten ermahnen uns zum Frieden, zu Gerechtigkeit, zu Versöhnung.
Stellen wir uns vor, die Toten der Kriege und Verbrechen würden nicht schweigen, sondern reden, schreien, klagen, jammern. Eine furchtbare Vorstellung!
Wenn die Toten nicht schweigen würden, dann würden sie uns sicherlich ununterbrochen ins Gewissen reden, sie würden uns warnen, uns anflehen: Hört auf mit dem Unfrieden, mit dem Haß, mit der Habgier, mit dem Morden.
Sie würden uns fragen: Wie konnte das geschehen? Wir verstehen nicht, weshalb so viele weggeschaut haben, einfach nicht wahrnehmen wollten, was damals geschehen ist.
Aber es ist nun mal so: Die Toten schweigen.
Und deshalb müssen wir, heute am Volkstrauertag, der Toten gedenken, die durch Kriege und Gewaltherrschaft ihr Leben verloren haben. Denn eigentlich muß man doch verrückt werden, wenn man bedenkt, daß Millionen und Abermillionen Menschen auf den Schlachtfeldern, in Bombennächten, auf Flucht und Vertreibung, in der Gefangenschaft und in Konzentrationslagern ihr meist junges Leben gelassen haben und immer noch lassen.
"Weil die Toten schweigen, beginnt alles wieder von vorn!" - leider hat sich das ja immer wieder bestätigt. Nicht einmal die leise Stimme des Volkstrauertages, die gegen dieses Schweigen sich erheben will, konnte daran etwas ändern. Vier Jahre nach dem Ende des ersten Weltkrieges gab es das erste mal einen Volkstrauertag. In einer Gedenkfeier im Reichstag gedachten die Deutschen ihrer Gefallenen. Auch damals war dieser Tag ein Tag der Mahnung zum Frieden. Sicherlich ahnte an diesem Tag niemand, daß nicht einmal zwanzig Jahre später ein noch viel entsetzlicherer Krieg Schrecken und Verwüstung über viele Länder brachte.
Und heute, sechs Jahrzehnte später?
Wir, direkt hier bei uns, sind verschont geblieben von Tod und Leid. Aber die Welt ist deswegen nicht friedlich geworden.
Im Besucherbuch einer Kriegsgräberstätte in Italien ist zu lesen: „Es ist schön, in Frieden zu ruhen, aber es ist besser, in Frieden zu leben.“
Wir, die wir in Frieden
leben, gedenken heute der Menschen, die ihr Leben im Krieg verloren haben: vor
vielen Jahrzehnten, vor einigen Jahren oder erst gestern. Denn irgendwo ist
immer Krieg.
Es ist einfach, ja bequem, sich zum Frieden zu bekennen und gegen den Krieg zu
sein, wenn uns gerade kein Krieg ins Haus steht, wenn wir gar nichts damit zu
tun haben. Es wird jedoch bedeutend schwerer, wenn wir tatsächlich damit
konfrontiert werden. Und das werden wir zunehmend schon deshalb, weil immer mehr
junge Deutsche, als Soldaten im Ausland eingesetzt werden, dort ihr Leben
verlieren oder für ihr ganzes Leben traumatisiert von ihren Einsätzen
zurückkehren.
Der Krieg in den Medien scheint uns leise und fern, aber Krieg ist nicht leise,
sondern laut, erfüllt von Explosionen, Schreien des Schmerzes, Schreien der
Angst, Schreien der Trauer ...
Auch wenn uns dieses Szenario fern und fremd ist, müssen wir der Mahnung und dem Eintreten für den Frieden eine Stimme geben.
Eine Stimme, die sich auch im Alltag erheben muß, wenn Unfrieden, Intoleranz und Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft wieder Platz greift. Wenn Menschen aus der Geschichte nichts gelernt haben oder diese gänzlich ignorieren und das Rad der Geschichte zurückdrehen wollen.
Aber auch bereit, wenn es um eine gerechte Verteilung in der Welt geht. Oder um die Unterstützung Anderer für ein Leben in Freiheit, jenseits von Unterdrückung und ideologischem Fanatismus.
Und, wenn die Grundlagen einer freiheitlich-demokratischen Ordnung oder des friedlichen Zusammenlebens in der Welt bedroht sind, wenn der konfliktlösende Dialog verweigert wird, dann muß die demokratische Völkergemeinschaft auch bereit sein dafür einzutreten - als ultima ratio leider auch mit militärischen Mitteln – so schwer es auch fallen mag, einen solchen Schritt zu akzeptieren.
Ich möchte in diesem Zusammenhang einen Gedanken der Verbundenheit in das Kosovo senden, an Herrn HFw Jürgen Vogel, den Spieß unserer Patenbatterie, der dort seit Oktober friedenssichernden Dienst verrichtet.
Wenn damals – vor über 60 Jahren – europäische und amerikanische Demokratien nicht bereit gewesen wären, in den Krieg gegen Nazi-Deutschland einzutreten, dann hätten sich Diktatur und Willkürherrschaft weltweit ausbreiten können.
Aber wir müssen auch bereit sein, uns mit der Kritik auseinanderzusetzen, die an unserem Verhalten geübt wird. Dazu gehört etwa der Vorwurf, unsere westliche Gesellschaft sei von weitgehendem Werteverlust, von überbordendem Materialismus und rücksichtslosem Individualismus geprägt, was wir zum Schaden anderer Kulturkreise exportierten. Es liegt an uns, diese Vorwürfe zu entkräften, sei es durch glaubwürdige Erklärung unseres Verhaltens, sei es durch notwendige Korrekturen unseres Verhaltens.
Wir müssen bereit sein, uns mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Nur dann werden wir eine lebenswerte gemeinsame Zukunft haben. Der heutige Volkstrauertag ist ein guter Anlaß, auch hierüber nachzudenken.
Und schließlich gehört dazu auch das Wachhalten der Erinnerung an das, was war. Denn wie anders kann der Mensch lernen, als durch Erinnerung? Die Erinnerung ist die Bedingung allen Lernens.
„Die sich des Vergangenen nicht erinnern, sind dazu verurteilt, es noch einmal zu erleben“, sagt der amerikanische Philosoph George Santayana.
Totenehrung
In ehrfürchtiger Erinnerung denken wir heute an die Opfer von Gewalt und Krieg,
Kinder, Frauen und Männer
aller Völker.
An die, die auf den Schlachtfeldern ihr Leben ließen.
An die, die in Gefangenschaft gerieten und nicht mehr heimkehrten.
Wir gedenken der Menschen, die Opfer der Diktatur wurden, wegen ihrer politischen oder religiösen Überzeugung oder nur, weil sie einer anderen Rasse angehörten.
Wir gedenken der Toten, die bei Flucht und Vertreibung ihr Leben ließen,
Wir gedenken der Opfer des
Bombenkrieges in Deutschland und in aller Welt,
unser Erinnern richtet sich aber auch auf die, die Widerstand leisteten und ihre
Courage mit dem Leben bezahlten.
Und schließen wir in unser Gedenken auch die Toten aus unseren Partnergemeinden Champvans und Máriakálnok mit ein.
Verneigen wir uns in Ehrfurcht und Dankbarkeit vor den Toten, die für uns ihr Leben ließen.
Frieden ist möglich, wenn wir friedfertig sind. Täglich und gegen Jedermann. Daran zu erinnern, dazu aufzurufen, dafür einzutreten ist unsere Pflicht im Angesicht unserer historischen Schuld. Und deshalb stehen wir nicht vergeblich hier – heute nicht und an keinem zukünftigen Volkstrauertag.
Zum Andenken an unsere Toten legen wir hier an unserer Gedenkstätte einen Kranz nieder. Die Erinnerung bleibt wach.
Gräber
Gedicht von Georg Schneider
vorgetragen von Tamara Schneider
Ich lese auf
einer hölzernen Tafel:
„Hier liegen
Engländer, Deutsche, Franzosen …“
Weit ausgestreckt
oder gekrümmt,
Alle in einem
Grab, und ein Mann aus Kentucky ist darunter.
Ich kann es noch
lesen.
Aber schon
schimmert das Holz feuchtgrün vom Regen,
Und in den Kerben
der Schrift sitzt der Schimmel.
Wartet ein wenig,
und sie wird ausgelöscht sein,
Die Schrift mit
dem göttlichen Zeichen.
Wer weint um den
Mann aus Kentucky?
Wo mag sie ruhn,
die das schrieb, die Hand,
In einer Pause
zwischen den Schlachten?
Es regnet auf
unsere Erde jeglichen Tag.
Grün ist die
Fäulnis. Der Regen fällt.
Nicht ein Roßhaar
hält ihn am Himmel,
Und die Hand liegt
unter der Erde.
Ich frage euch
nun: wollt ihr die Schrift erneuern,
Oder aus neuem
Anlass noch einmal schreiben:
„Hier liegen
Deutsche, Engländer, Franzosen –
Boches, Tommies,
Poilus - …“
Alle in einem
Grab, und ein Mann aus Jasnaja ist darunter.
Eine Wolke schwebt
am Himmel.
Auch sie wird
fallen.
Der Regen ist wie
ein feuchtes Tuch,
Und er verschluckt
die Antwort.
[ zurück ]