Birnen Dokumentation überreicht


Auf dem Foto (von links) Friedrich Witter, Bgm. Bruno Herberich, Gustav Haas und Karl Bräuchle

Eine sicherlich nicht alltägliche Dokumentation des Birnbaumbestandes auf unserer Gemarkung hat dieser Tage Friedrich Witter gemeinsam mit Karl Bräuchle und Gustav Haas an Bürgermeister Bruno Herberich übergeben. Die Zusammenstellung katalogisiert fast alle Birnenbäume in Wort und Bild, sogar über die verschiedenen Jahreszeiten. So werden die einzelnen Sorten benannt - von „Alexander-Lukas“ über „Gräfin von Paris“ bis zu „Vogelmannsbalzen“ ist alles vertreten. Groß gewachsene Bäume, die teilweise über 100 Jahre alt sind, werden so für die Nachwelt fotografisch erhalten, genauso wie jüngere. Und auch die Früchte werden per Bild beschrieben.
Bgm. Herberich dankte den an dieser Fleißarbeit Beteiligten. Leider sei es so, daß die Kenntnis der Natur oft nicht mehr so vorhanden sei. Gerade deshalb ist es wichtig, das Verständnis für das direkte  Lebensumfeld und die Schönheiten, die dieses zu bieten habe anzuregen. Auch lobte er dieses Beispiel ehrenamtlichen Wirkens.
Die Dokumentation wird bei der Bürgerversammlung, die am 14. Januar 2007 stattfindet, gezeigt. Dabei werden die „Autoren“ für fachkundige Informationen zur Verfügung stehen.
   
So hat die Kraichgau Stimme am 03.01.2007 berichtet:
 
Dokumentation erinnert an Most-Tradition
Von Annette Gast-Prior

Zum Gemeindearchiv gehört seit Neuestem eine exklusive Birnbaum-Fotosammlung

 

Dass Ackerrandstreifen wie dieser mit Mostobstbäumen bepflanzt waren, prägte früher nicht nur in Hüffenhardt das Ortsbild.
(Foto Annette Gast-Prior)

Sie haben so klingende Namen wie Gräfin von Paris oder Alexander Lukas. Das sind zwei essbare Ausnahmen unter vielen Mostbirnen, die früher für das Alltagsgetränk in jedem Keller sorgten. Bekannt zum Beispiel: die Schweizerwasserbirne. Als Spezialität und Sekt-Ersatz verehrt wurde in alten Zeiten der Saft der grünen Romelter oder der Champagnerrenette. Und manche Birnensorten sind offenbar nach ortspezifischen Besonderheiten benannt. Wo soll Vogelmannsbalzen herkommen, wenn nicht aus einer Namens-Liaison der Kälbertshäuser und Hüffenhardter Familiennamen Vogelmann und Balz? Kein Fachbuch jedenfalls verzeichnet diesen Namen, so wenig wie Fischersbirne oder raue Klunker.
Birnbäume, erinnert sich der Hüffenhardter Friedrich Witter an seine Kindheit, gab es vor der Flurbereinigung zuhauf - bevor tausende von Obstbäumen der Bodenplanung am Reißbrett zum Opfer fielen. Bei seinen Streifzügen um Hüffenhardt herum hatte Witter, der die Pflanzung von Hochstamm-Obstbäumen zur Geburt der Kinder im Ort begrüßt, schon jahrelang gern Bäume fotografiert. Bis er sich auf Birnen konzentrierte. Aus seinen Beobachtungen zog er den Schluss, dass viele der erhaltenen Bäume, schon über 100, zum Teil 120 Jahre alt sein müssen. Viele blühen schon nicht mehr: „In den nächsten 20 Jahren sterben die aus.“
Für den 66-Jährigen der Beweggrund, so viele Exemplare wie möglich zumindest dokumentarisch zu erhalten. Wenn er erzählt, wie er dabei zu Werke ging, scheint hinter der sachlichen Herangehensweise ein tiefer Respekt vor der Natur hervor. Wie ihn Bäume beeindrucken, legt der Pensionär im Vorwort zu seiner Sammlung dar, in der er schildert, wie er sich als Junge beim Fallobst-Sammeln sein Kerwegeld verdiente.
Im Gespräch erweist sich Witter als ausgezeichneter Kenner seiner Heimat und Naturbeobachter. In mühsamer Geduldsarbeit entstand ein Birnbaumkataster der Gemarkung Hüffenhardt / Kälbertshausen, wie man es wohl in Gemeindearchiven selten finden wird: Auf 34 DIN-A 3-formatigen Kunststoff-Fotofolien hat Witter mit seiner Frau Maria seine Foto-Sammlung katalogisiert. Im grünen oder bunten Blätterkleid, in voller Blütenpracht oder reich mit Früchten behangen, sind die einzelnen Bäume fotografiert, die Standorte nach den gültigen Gewannnamen benannt. 27 Sorten hat Witter ausfindig gemacht, obwohl er viele davon gar nicht kannte. Dazu, erkannte er schnell, brauchte er fachliche Hilfe - und erlebte in der Naturschutzbehörde des Landratsamts zunächst eine Überraschung: Man könne ihm nicht weiter helfen. Je nach geografischen und geologischen Gegebenheiten sähe dieselbe Birnensorte im Neckartal schon so anders aus als in rund 300 Metern Höhe in Hüffenhardt. Für die Sortenbestimmung fand Witter kompetente Experten in nächster Nachbarschaft: Die erfahrenen Landwirte Gustav Haas und Karl Bräuchle wurden seine Birnenberater, mit denen er alle fotografierten Standorte beging. „Ohne die beiden wäre die Sammlung nicht möglich gewesen“, ist Witter überzeugt, zum Teil haben erst Diskussionen und Literatur-Recherchen Entscheidungen erbracht. Witter und seine Fachleute erheben keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Vielleicht weiß eines Tages der eine oder die andere zu schätzen, welchen Reichtum die Region hier hervorgebracht hat.
   
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