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Auf dem Foto (von links) Friedrich Witter, Bgm.
Bruno Herberich, Gustav Haas und Karl Bräuchle |
Eine sicherlich nicht
alltägliche Dokumentation des Birnbaumbestandes auf unserer Gemarkung hat
dieser Tage Friedrich Witter gemeinsam mit Karl Bräuchle und Gustav Haas an
Bürgermeister Bruno Herberich übergeben. Die Zusammenstellung katalogisiert
fast alle Birnenbäume in Wort und Bild, sogar über die verschiedenen
Jahreszeiten. So werden die einzelnen Sorten benannt - von „Alexander-Lukas“
über „Gräfin von Paris“ bis zu „Vogelmannsbalzen“ ist alles vertreten. Groß
gewachsene Bäume, die teilweise über 100 Jahre alt sind, werden so für die
Nachwelt fotografisch erhalten, genauso wie jüngere. Und auch die Früchte
werden per Bild beschrieben.
Bgm. Herberich dankte den an dieser Fleißarbeit Beteiligten. Leider sei es
so, daß die Kenntnis der Natur oft nicht mehr so vorhanden sei. Gerade
deshalb ist es wichtig, das Verständnis für das direkte Lebensumfeld und
die Schönheiten, die dieses zu bieten habe anzuregen. Auch lobte er dieses
Beispiel ehrenamtlichen Wirkens.
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Dass Ackerrandstreifen wie dieser mit
Mostobstbäumen bepflanzt waren, prägte früher nicht nur in Hüffenhardt das
Ortsbild.
(Foto Annette Gast-Prior) |
Sie haben so
klingende Namen wie Gräfin von Paris oder Alexander Lukas. Das sind zwei
essbare Ausnahmen unter vielen Mostbirnen, die früher für das Alltagsgetränk
in jedem Keller sorgten. Bekannt zum Beispiel: die Schweizerwasserbirne. Als
Spezialität und Sekt-Ersatz verehrt wurde in alten Zeiten der Saft der
grünen Romelter oder der Champagnerrenette. Und manche Birnensorten sind
offenbar nach ortspezifischen Besonderheiten benannt. Wo soll
Vogelmannsbalzen herkommen, wenn nicht aus einer Namens-Liaison der
Kälbertshäuser und Hüffenhardter Familiennamen Vogelmann und Balz? Kein
Fachbuch jedenfalls verzeichnet diesen Namen, so wenig wie Fischersbirne
oder raue Klunker.
Birnbäume, erinnert sich der Hüffenhardter Friedrich Witter an seine
Kindheit, gab es vor der Flurbereinigung zuhauf - bevor tausende von
Obstbäumen der Bodenplanung am Reißbrett zum Opfer fielen. Bei seinen
Streifzügen um Hüffenhardt herum hatte Witter, der die Pflanzung von
Hochstamm-Obstbäumen zur Geburt der Kinder im Ort begrüßt, schon jahrelang
gern Bäume fotografiert. Bis er sich auf Birnen konzentrierte. Aus seinen
Beobachtungen zog er den Schluss, dass viele der erhaltenen Bäume, schon
über 100, zum Teil 120 Jahre alt sein müssen. Viele blühen schon nicht mehr:
„In den nächsten 20 Jahren sterben die aus.“
Für den 66-Jährigen der Beweggrund, so viele Exemplare wie möglich zumindest
dokumentarisch zu erhalten. Wenn er erzählt, wie er dabei zu Werke ging,
scheint hinter der sachlichen Herangehensweise ein tiefer Respekt vor der
Natur hervor. Wie ihn Bäume beeindrucken, legt der Pensionär im Vorwort zu
seiner Sammlung dar, in der er schildert, wie er sich als Junge beim
Fallobst-Sammeln sein Kerwegeld verdiente.
Im Gespräch erweist sich Witter als ausgezeichneter Kenner seiner Heimat und
Naturbeobachter. In mühsamer Geduldsarbeit entstand ein Birnbaumkataster der
Gemarkung Hüffenhardt / Kälbertshausen, wie man es wohl in Gemeindearchiven
selten finden wird: Auf 34 DIN-A 3-formatigen Kunststoff-Fotofolien hat
Witter mit seiner Frau Maria seine Foto-Sammlung katalogisiert. Im grünen
oder bunten Blätterkleid, in voller Blütenpracht oder reich mit Früchten
behangen, sind die einzelnen Bäume fotografiert, die Standorte nach den
gültigen Gewannnamen benannt. 27 Sorten hat Witter ausfindig gemacht, obwohl
er viele davon gar nicht kannte. Dazu, erkannte er schnell, brauchte er
fachliche Hilfe - und erlebte in der Naturschutzbehörde des Landratsamts
zunächst eine Überraschung: Man könne ihm nicht weiter helfen. Je nach
geografischen und geologischen Gegebenheiten sähe dieselbe Birnensorte im
Neckartal schon so anders aus als in rund 300 Metern Höhe in Hüffenhardt.
Für die Sortenbestimmung fand Witter kompetente Experten in nächster
Nachbarschaft: Die erfahrenen Landwirte Gustav Haas und Karl Bräuchle wurden
seine Birnenberater, mit denen er alle fotografierten Standorte beging.
„Ohne die beiden wäre die Sammlung nicht möglich gewesen“, ist Witter
überzeugt, zum Teil haben erst Diskussionen und Literatur-Recherchen
Entscheidungen erbracht. Witter und seine Fachleute erheben keinen Anspruch
auf Wissenschaftlichkeit. Vielleicht weiß eines Tages der eine oder die
andere zu schätzen, welchen Reichtum die Region hier hervorgebracht hat. |