Von "down under" nach Hüffenhardt

Nathan Rees war ein Jahr als Austauschschüler in Deutschland

Für ein Jahr war Hüffenhardt die Heimat
Unser "Kraichgau-Australier" Nathan Rees ist wieder zurück in "down under". Anfang Januar hat er sich von seinen Freunden und auch vom Bürgermeister im Hüffenhardter Rathaus verabschiedet. Wie der einjährige Aufenthalt des Austauschschülers war, lesen Sie hier:
   
Eine Zeit voller neuer Erfahrungen
Das Jahr des australischen Austauschschülers Nathan Rees in Hüffenhardt ging rasch vorbei
 


Good Bye im Rathaus - Nathan wenige Tage vor seiner Rückreise mit "Hüffenhardt-Bierkrügen" für seine Sammlung

 


Nathan zusammen mit Familie Bittler Anfang März 2006 bei Bürgermeister Bruno Herberich im Rathaus

Vergangenen Montag flog der bei Familie Bittler untergebrachte australische Austauschschüler wieder zurück in seine Heimat. Zuvor teilte er noch seine Erfahrungen und Eindrücke mit, die er während seines Aufenthalts in Deutschland sammeln konnte.
„Ich habe mich schnell zurechtgefunden“, antwortet Nathan auf die Frage, ob es am Anfang „Startprobleme“ gegeben habe. Durch einen Sprachkurs in Düsseldorf gleich zu Beginn seines Aufenthalts gelang es ihm, die Sprachbarriere schnell zu überwinden. Rasch verbesserte sich sein Deutsch und er mußte nur noch selten Begriffe in seiner Muttersprache umschreiben.
Fragt man ihn nach den Highlights des vergangenen Jahres, so beginnt er zu strahlen. Er habe sehr viel von Deutschland gesehen, war in fast allen großen deutschen Städten unterwegs. Auch der dreiwöchige Trip durch Europa im Sommer gefiel ihm sehr und verhalf ihm, neue Eindrücke von Europa zu sammeln, das er zuvor nur mit Klischees versehen aus dem Schulunterricht kannte. Der absolute Höhepunkt für den fußballverrückten Australier war aber zweifelsohne die WM 2006. Zwei Spiele sah er live im Stadion, die meisten anderen Spiele verfolgte er daheim vor dem Fernseher oder mit seinen vielen neuen Freunden, die er im Laufe des Jahres gewinnen konnte.
Durch das Austauschjahr hat sich seine Perspektive über Deutschland sehr verändert. Er sei selbstbewußter geworden und habe nicht das Gefühl, durch den Weggang aus seiner Heimatstadt für ein Jahr etwas verpaßt zu haben. Er genoß das deutsche Bier und die vielen Möglichkeiten, auszugehen. Auch sein großes Ziel - ein Probetraining bei einem höherklassigen Fußballverein - konnte er erreichen. Zwar hat es durch den kurzen Aufenthalt in Deutschland nicht geklappt, für die Hoffenheimer Jugend aufzulaufen, statt dessen spielte er aber mit Leib und Seele für den örtlichen Sportverein. Hierbei gelang es ihm, einige Tore für die 1. Mannschaft zu schießen und auch wieder neue Freunde zu gewinnen.
Ob er das Austauschjahr wiederholen würde und weiterempfehlen könne? „Klar“, sagt Nathan ohne lange zu zögern, „wenn man es nicht macht, hat man etwas verpaßt. Es war ein unglaubliches Jahr, und ich habe mich wohlgefühlt.“ Heimweh hatte er nur selten und nur dann, wenn es kalt oder ihm langweilig war, was aber äußerst selten vorkam.
Nun freue er sich, seine Familie und Freunde in der Heimat wiederzusehen, ihnen seine Erfahrungen in einem fremden Land mitzuteilen und zu sehen, wie sich die Leute in „seiner“ Stadt verändert haben.
Zurückkehren nach Deutschland will er aber auf jeden Fall, voraussichtlich schon 2008 zur Abiparty seiner Neckarbischofsheimer Schulklasse. Mit dieser sowie mit all seinen neuen Freunden möchte er in Kontakt bleiben, auch um sein Deutsch zu nutzen und es nicht zu verlernen.

Den großen Traum, einmal Fußballprofi zu werden, hat er noch immer. Für diese Chance lebt er und nach der Schule möchte er sich ganz darauf konzentrieren. Somit kann man sicher sein, früher oder später wieder etwas von dem sympathischen Jungen mit dem spitzbübischen Lachen zu hören.

 
   
So hat die Kraichgau Stimme am 03.03.2006 berichtet:
Der Kraichgau hält, was Deutschland verspricht
Von Annette Gast-Prior
Auf Berggipfeln hat Nathan Rees schon Schnee gesehen. Dass er vor der Haustür in das nasse Weiß tritt, ist eine neue Erfahrung. Der 17-Jährige macht sie gerade in Hüffenhardt. Seit drei Wochen wohnt Nathan hier und hätte sich kein ferneres Ziel für sein Auslandsjahr aussuchen können.
Aus Hobart auf Tasmanien südlich von Australien ist er 24 Stunden lang buchstäblich um die halbe Welt geflogen. Das war am 13. Januar, das Ziel Düsseldorf: Deutsch-Crashkurs mit allem, was dazu gehört. Landeskunde, erste Einblicke in deutsche Umgangsformen, Tipps, wie man sich im öffentlichen Leben zurechtfindet. Nach der Ankunft bei Familie Bittler in Hüffenhardt dauerte der Rundgang mit Sohn Björn durchs nicht einmal 2000-Seelen-Dorf nur eine halbe Stunde. „Da war er erst mal geschockt“, sagt Gastmutter Beate lachend. Hobart ist die weithin ausgedehnte Hauptstadt des australischen Bundesstaates Tasmanien. 200 000 Einwohner. Der Dezember samt Weihnachten fällt dort ins Sommerhalbjahr, und so etwas wie Fasching kannte Nathan bis vor kurzem nicht einmal vom Hörensagen.
Er hat sich gründlich informiert in den vergangenen Tagen und ist begeistert: Zwei Narrenfeste in Hüffenhardt, dazu Waibstadt und Eschelbronn hat er als Crocodile Dundee gut überstanden. Seine Welt ist wieder in Ordnung.
Deutschland hält auch im Kraichgau, was es in der Vorstellung des sympathischen junge Mannes versprach: „Autobahnen, Schnee, Bier, Brot, Mädchen und Spaß.“ In dieser Reihenfolge erzählt Nathan, noch in gebrochenem Deutsch, was sein Weltbild bisher zum Thema Germany hergab. Schon die ersten Wochen in der fremden Welt haben ergeben, dass es wirklich weit weniger Restriktionen für Jungendliche gibt, als in der konservativ geprägten Heimat. Im Pulk internationaler Austauschschüler zu verschwinden, hat Nathan hier keine Chance. Den Bürgermeister hat sein Austausch-Institut Youth for Understanding (YFU) über den Gast informiert, und übernächste Woche wird er offiziell begrüßt.
Dass Nathan Fußballprofi werden will und ein begabter Spieler ist, hat sich gleich bis zur ersten Mannschaft herumgesprochen, mit der er trainiert. Auch die TSG Hoffenheim interessiert sich für den Spieler, der in seiner Heimat mehrfach bei nationalen Talentwettbewerben ausgezeichnet wurde. Zwar sei Fußball der beliebteste Sport in Australien, genieße aber keine mit Europa vergleichbare Medienpräsenz, weiß Nathan. Gefragt, ob er deutsche Spieler kenne, ist sein smartes Lächeln Antwort genug. Die Provokation, ob ihm nicht Brasilien besser gefalle, quittiert er mit einem diplomatischen „Die WM ist hier.“
Schon seit Jahren wünschte er sich, Europa zu sehen. Nirgends sonst kann er so viele Kulturen auf so kurzen Wegen kennen lernen. Außer einem Ausflug nach Berlin gibt es noch keine fixen Pläne, aber Nathan ist klar: Er will so viel sehen wie möglich.
Wenn das Handy klingelt, ruft niemand aus Australien an - es sind deutsche Freunde, und Nathan ist glücklich, schon jede Menge Jugendliche zu kennen. Im Neckarbischofsheimer Gymnasium ist er freundlich aufgenommen worden. Sehr fremd ist ihm das Schulsystem mit festen Klassenverbänden, aber Nathan sagt von sich: „Ich bin Optimist“ und kann sich gut anpassen.
An das ur-deutsche Sauerkraut wird er sich allerdings nicht gewöhnen, so viel ist sicher. Seine beste essbare Entdeckung sind Brötchen - bis jetzt.
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