Geschichte der Heimatvertriebenen

 

1946 - 2006 Gedenken an Heimatvertreibung vor 60 Jahren
Zur Bewahrung der Erinnerung an die Vertreibung vor über 60 Jahren hat Emil Prinke eine Dokumentation mit der Geschichte zahlreicher Hüffenhardter Familien zusammengestellt.  

                                                                     
Höchste Eisenbahn, die Geschichte der Vertriebenen aufzuarbeiten
Bericht und Foto von Annette Gast-Prior
Wie Hüffenhardt nach dem Krieg sein Gesicht veränderte, hat Emil Prinke dokumentiert
Herberich: „Bereicherung für das Gemeindearchiv“
Bericht aus der Kraichgau Stimme vom 5. Februar 2007

Foto: Emil Prinke in der Hüffenhardter Vertriebenen-Siedlung.
Der Hobby-Archivar hat ein wichtiges Kapitel der Gemeindegeschichte dokumentiert.

Emil Prinke ist eine Sammlernatur und hat das Zeug zum Archivar: Akribie, Sorgfalt und Neugier verwendet er seit über 40 Jahren auf geschichtliche Dokumente, die über seinen Geburtsort im Sudetenland berichten. In den vergangenen Jahren verlegte er sich daneben auf die Ahnenforschung.

In Hüffenhardt hat er nach dem Zweiten Weltkrieg eine neue Heimat gefunden und befasst sich seit langem auch mit der Geschichte der Heimatvertriebenen in der Kraichgaugemeinde. Eine Dokumentation zu diesem Geschichtskapitel gibt jetzt Prinke-typisch auf knapp 90 Seiten bis ins Detail Informationen über die zwischen 1945 und 1947 in Hüffenhardt angesiedelten Heimatvertriebenen. Sie stammten vor allem aus Ungarn und dem Sudetenland. „60 Jahre später war es höchste Eisenbahn für diese Niederschrift“, findet der heute 80-Jährige, schließlich sei die „Erlebnisgeneration“ nahezu „weggestorben“. Vielleicht ist aus den Folgegenerationen der Vertriebenen der eine oder andere froh, „etwas Geschriebenes“ zu finden, nennt Prinke mögliche Adressaten für seine Aufzeichnungen, in denen er auf Grundlage des Fremdenbuchs der Gemeinde dort erfasste Daten präzisiert und ergänzt hat. Bei der Gemeindeversammlung im Januar stellte Bürgermeister Bruno Herberich das Werk öffentlich vor.

Es enthält Erlebnisberichte Betroffener aus den verschiedenen Herkunftsregionen, allerdings weniger, als Prinke erhofft hatte: „Viele“, erklärt er sich die Scheu seiner Gesprächspartner, „sprechen nicht gern über die Vertreibung, um nicht alte Wunden aufzureißen“. Die Sammlung wird ergänzt durch die Auflistung von Namen, Geburtsjahr und Verbleib der rund 500 Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten, die in dem 1100-Seelendorf unterkamen. Sie gehörten zu insgesamt über 25 000 Schicksalsgenossen, die allein 1946 über das Aufnahmelager in Neckarzimmern in die Kreise Mosbach, Heilbronn, Sinsheim, Karlsruhe und Esslingen verteilt wurden.

Mit der Zuweisung so vieler Fremder sah sich Hüffenhardt, das damals noch 120 landwirtschaftliche Betriebe zählte, unerwartet vor die Aufgabe gestellt, seine neuen Bürger zu integrieren. Aus Prinkes Sicht ist das gelungen, Herberich sieht „die heutige Vielfalt unseres gesellschaftlichen Lebens“ als Ergebnis einer enormen Gemeinschaftsleistung von damals. Sie begann mit Einquartierungen bei Familien, die zusammenrücken mussten, weil nicht alle im ehemaligen Hitlerjugendheim oder in den Baracken unterkamen, in denen vorher Frauen des Reichsarbeitsdienstes untergebracht waren. Als Flüchtlinge tituliert, in Wirklichkeit aber, betont Prinke, aus ihren angestammten Heimatorten oftmals grausam vertrieben, begannen die Neu-Hüffenhardter in den 50er-Jahren Häuser und die katholische Kirche zu bauen. Die Männer fanden Arbeit beim Wiederaufbau des zerstörten Heilbronn oder Stuttgart, später beim Maschinenbau-Betrieb Finkenrath, in der Gardinenfabrik, im Siegelsbacher Depot oder in der aufstrebenden Autoindustrie.

Als Heimarbeiterinnen, in der Gardinenfabrik am Ort oder beim Siegelsbacher Kosmetik-Hersteller Mann & Schröder verdienten die Frauen Geld. Vom Bauerndorf wurde der Ort zur Arbeiterwohngemeinde, Heiraten führten katholische und evangelische Familien zusammen. Ein Nachschlagewerk, das Jüngeren die damaligen Verhältnisse erklären kann, ist das Werk allemal. Als „Bereicherung für das Gemeindearchiv“ empfindet Herberich die Arbeit des Hobby-Heimatforschers, der mittlerweile am Laptop arbeitet und im Internet recherchieren gelernt hat. Interessierte können es als Kopie zum Selbstkostenpreis bei der Gemeinde erwerben.

 

 

 

 
   

 

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