Großvorhaben der EnBW
Erweiterung des Umspannwerks auf 380 kV geplant

 

 

   
Die Spannung steigt    Die EnBW will im Umspannwerk auf 380 Kilovolt erhöhen
Bericht in der Kraichgau Stimme vom 15.02.2007 - Von Annette Gast-Prior
Unbehagliches Schweigen: So endete am Dienstag im Hüffenhardter Gemeinderat die zweistündige Diskussion zu den Plänen der EnBW zur Ertüchtigung und Erweiterung des Hüffenhardter Umspannwerks. Bürgermeister Bruno Herberich sieht in dieser ersten Auseinandersetzung über die Installation einer neuen 380 Kilovolt-Schaltanlage und die Ertüchtigung des bestehenden Umspannwerks den Auftakt für eine größere Debatte in seiner Gemeinde.
Statt bisher von 220 Kilovolt soll künftig die Energie im regionalen Versorgungsnetz von 380kV-Leitungen auf die nächstniedrigere Spannungsebene (110kV) eingespeist werden. Um den Anschluss an das überregionale europäische Verbundnetz zu optimieren, plant die EnBW bis 2015 die entsprechende Umstellung ihres Netzes auf 380 kV im Bereich Mittlerer Neckar, Nord-Baden und im so genannten Ost-Ring, der über das Umspannwerk Großgartach nach Hohenlohe und bis Ulm reicht.
Notwendig
170 Millionen Euro stehen dafür bereit, in Hüffenhardt sollen von 2007 bis 2009 rund 25 Millionen Euro investiert werden. Das sei notwendig, weil das Kernkraftwerk Obrigheim abgeschaltet ist und die Stilllegung des ersten Blocks im Neckarwestheimer AKW 2009 bevorstehe. „Diese Leistung fehlt in Zukunft“, erklärte Diplom-Ingenieur Klaus-Jürgen Heim, „sie muss also woanders her kommen“. Neuere Großkraftwerke, die künftig Energie in die Versorgungsnetze einspeisen sollen, liefern über 380 kV-Leitungen, begründet er die Notwendigkeit der Umstellung in Hüffenhardt.
Nachdem die Stromquelle KWO fehlt, müsse die Anlage an die Hochspannungsleitung angeschlossen werden, die zwischen Neurott (Heidelberg) und Höpfingen (Odenwald) an Hüffenhardt vorbei verläuft. Dazu seien zwei Transformatoren samt Schaltanlagen zu installieren, die seit 1965 bestehende 110-kV-Anlage zu ertüchtigen und die 1970 gebaute 220kV-Anlage zurückzubauen. Drastisch beschrieb EnBW-Vertreter Heim, dass Hüffenhardt zu den Netz-Knotenpunkten gehört, die den mittleren Neckarraum mit versorgen und aufgerüstet werden müssen: „Sonst gehen in Stuttgart die Lichter aus.“ Die Unternehmensvertreter betonten, die Erläuterung des Vorhabens im Gemeinderat geschehe „freiwillig“. Eine Informationspflicht besteht nicht, denn die Einstufung des Genehmigungsverfahrens in der Bundesimmissionsschutzverordnung sieht keine Offenlegung vor. Das bedeutet, dass auch keine Rechtsgrundlage für Einsprüche besteht. Dennoch darf die Gemeinde Stellung nehmen, ein Ratsbeschluss ist nötig.
Protest im Ort Herberich will die Bedenken und Anregungen aus der Bevölkerung weiterleiten, die sich zu Wort meldeten: Sie befürchten gesundheitliche Auswirkungen durch Elektrosmog, eine weitere Beeinträchtigung der Landschaft, die sich auf Immobilienwerte auswirke, und Lärmbelastungen, sehen aber weder einen gewerbesteuerlichen Nutzen, noch entstünden Arbeitsplätze, und die EnBW stelle keine Entschädigung in Aussicht.
Das Unternehmen argumentierte, es erfülle alle gesetzlichen Anforderungen und bemühte die Bundesnetzagentur - eigentlich für Verbraucherbelange eingerichtet: Stromkunden hätten ein Recht darauf, dass Netzentgelte reale, möglichst günstige Kosten spiegeln. „Jetzt bauen und hinterher gegen die EnBW klagen ist aussichtslos“, gab Zuhörer Lothar Sigmann zu bedenken.
„Ich widerspreche ausdrücklich nicht“, fügte Herberich an, der auf eine Offenlage aller Messwerte pochen will und kritisiert, dass keine Umweltverträglichkeitsprüfung verlangt werde.
   

 

[ zurück ]