Waldbegehung des Gemeinderats
Am 6. Juli trafen sich die Gemeinde- und Ortschaftsräte zur  jährlichen Waldbegehung. Wegen des Wetters wurde dies nicht, wie sonst üblich, per velo, sondern per pedes durchgeführt. Die Räte erfuhren einiges über das FFH-Schutzgebiet im Wald und lernten auch jede Menge über die Jungbestandspflege.  
   
   

 

Auf der Suche nach dem Grünen Besenmoos
Waldbegehung des Gemeinderats auf FFH-Spuren und mit Jungbestandspflege

Von Annette Gast-Prior

Der Waldtag des Hüffenhardter Gemeinderats heißt immer Exkursion. Berechtigt, denn neben den Fakten, die Forstrevierleiter Erwin Winterbauer und Forstdirektor Dietmar Hellmann zur Holzernte und -vermarktung oder Hiebskalkulation geben, gehört immer auch ein Kapitel Waldwissen zur Begehung.
Gewinn: Die Zahl, die die Gemeinderäte immer mit Interesse erwarten, erfuhren sie zu Beginn ihres Waldausflugs: Mit voraussichtlich 70 000 Euro Gewinn (Vorjahr: knapp 68 000 Euro) wird der Forsthaushalt 2006 abschließen, so sagt es die Ergebnisvorschau.

Am Beispiel einer Hiebsnachkalkulation für die rund 27-Hektar-Fläche „Bombenloch“ erläuterte Winterbauer, daß vom Erlös in diesem Waldstück allein rund 11 000 Euro mit den Sortimenten Industrie- und Brennholz verdient wurden. Hatte Hüffenhardt in den vergangenen Jahren den höchsten Erlös vor allem mit hochwertigem Stammholz erzielt, das rund 40 Prozent der Sortimentsaufteilung ausmacht, so nivellieren sich mittlerweile die Verhältnisse durch den zunehmenden Wert von Brennholz: Rund 15 Euro Mehreinnahmen pro Festmeter Brenn- und Industrieholz machen sich im Rechungsergebnis bemerkbar. Mit rund acht Festmetern pro Hektar (insgesamt fast 900 Festmeter) liege der Einschlag 2006 über dem planmäßigen Hiebsatz, erklärte Hellmann Allerdings sei das bei einer Waldfläche von 465 Hektar zu verantworten.

Die letzten zehn Jahre hätten gezeigt, „daß das auch zuwächst“ - ein Thema, das der Rat im Zuge der Forsteinrichtung für die kommende Dekade diskutieren wird.Hellmann verwies auf Vergleichswerte, in denen sein Bezirk beim Verhältnis zwischen Einschlag und Ertrag zu den Spitzenreitern im nordbadischen Raum zählt.FFH: Das Kürzel steht „Flora, Fauna, Habitat“, also für die Pflanzen und Tierwelt sowie natürliche Lebensräume, wie Forstdirektor Hellmann im theoretischen Exkursionsteil erläuterte. Unter dieser Bezeichnung läuft das europaweite Schutzgebiet „Natura 2000“, mit dem die EU zusammenhängende Naturräume bewahren will. So sind auch weite Teile der Wälder diesseits des Neckars im sog. FFH-Gebiet „Neckartal und Wald Obrigheim“ mit ca. 1.426 Hektar in die Gebietskulisse mit einbezogen. Neben Waldungen der Gemeinden Helmstadt-Bargen, Haßmersheim, Neckargerach und Obrigheim, gehören auch rund 70 Hektar Waldfläche auf Hüffenhardter Gemarkung dazu. Geschützt sind im wesentlichen die Waldmeister-Buchenwälder, die geschützte Arten wie den Schmetterling „Spanische Flagge“ oder das Grüne Besenmoos beherbergen.

Allerdings konnten die Forstmänner im ausgewiesenen Standort am Scheckiglochweg den Räten nur mit Mühe die Moosart zeigen, vom geschützten Schmetterling mußten Bilder zur Anschauung genügen. Auf der Suche nach dem „Grünen Besenmoos“: Fast mit der Lupe muß man die kleinen Moospunkte inmitten des normalen Moosbewuchses an den Bäumen suchen. Wie, wo und warum sich die seltene Moosart ausbreitet - oder auch nicht - konnte auch der Vortrag von Forstdirektor Hellmann nicht klären. Zum Schutz läuft die „Eurokratie“ auf Hochtouren. Umfangreiche Vorgaben nach einem vielseitigen Pflege- und Entwicklungsplan (PEPL) sind künftig zu beachten. Ob solches Gebaren dem Naturschutz dienlich ist oder diesen eher ad absurdum führt, war die Frage, die sich die Teilnehmer stellten.

Zur praktischen Übung führte Förster Winterbauer die Räte in die Jungbestandsfläche oberhalb des Dienernwegs. Vitalität des Bewuchses, seine Stabilität und Qualität nannte der Förster als Richtlinien für die derzeitige Pflegemaßnahme, die einen Buche-dominierten Mischbestand befördern soll.
Mehr Licht: Mit Spraydosen bewaffnet, machten sich die Gemeinderäte in Gruppen auf, um in dem „Buchenmeer“, so Winterbauer, Bäume zu kennzeichnen, die entnommen werden müssen - und staunten, wie viel Licht das Fällen einzelner, noch junger Bäume in den dichten Bewuchs bringt. Daß sie um die Saamshütte herum alte Baumbestände erhalten wollen, waren sich Waldbegeher einig und diskutierten ausgiebig die Vor- und Nachteile von Friedwäldern. Neu war den meisten der Aspekt, daß solche Beerdigungsstätten auch Einnahmequelle für Waldbesitzer sein können, allerdings auch die Forstarbeiter mit völlig neuen Aufgabenfeldern konfrontieren. Nach einer Abschlußbesprechung an der Saamshütte, fand dort auch der Ausklang statt.
 

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