Volkstrauertag 2009

Würdige Gedenkveranstaltungen zum Volkstrauertag
Zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner gedachten am Volkstrauertag  in Hüffenhardt und Kälbertshausen der Opfer von Kriegen und Gewalt.

 

    

Die Gedenkveranstaltung in Hüffenhardt wurde von der Feuerwehrkapelle unter der Leitung von Dirigent Jürgen Ullrich und vom evang. Kirchenchor unter der Leitung von Herrn Spital musikalisch umrahmt. Jana Helm und Michaela Schneider, Schülerinnen der Friedrich Heuß-Schule Haßmersheim, trugen ein Gedicht vor. Soldaten unserer Patenbatterie, der 5. PzFlakBtl 12 aus Hardheim, mit dem stv. Batteriechef, OLt Ansorg, und Batteriefeldwebel StFw Vogel an der Spitze, stellten eine Ehrenwache. Die Kranzniederlegung führte Gemeinderat Heiko Hagner gemeinsam mit Stabsfeldwebel Jürgen Vogel aus.

 

Bürgermeister Bruno Herberich hielt die nachfolgende Gedenkansprache:

 

 

Verehrte im Gedenken versammelte Anwesende,

ungefähr 5 Stunden ist es her, daß vor 70 Jahren und 76 Tagen der II. Weltkrieg begonnen hat.

Nach 6 Jahren, am 2. September um 9:25 Uhr endete dieser weltweite Schrecken mit der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde durch den jap. Kaiser . Bereits am 8. Mai 1945 hatte Nazi-Deutschland bedingungslos kapituliert.

 

6 Jahre und 1 Tag

oder 2 194 Tage

oder 52 641 Stunden.

 

Durch den Krieg verloren

in jeder Stunde 1 045

in jeder Minute 17 Menschen ihr Leben.

 

Insgesamt   55  Millionen

als Soldaten,

als Flüchtlinge und Vertriebene,

als Opfer der Gewaltherrschaft,

Zivilisten.

 

Unvorstellbare Zahlen, unfaßbares Leid.

 

55 Millionen - so abstrakt.

Gerade so, als ob zwei Drittel von Deutschland nicht mehr da wäre.

Aber anonym.

 

55 Hüffenhardter Namen stehen auf unserer Gedenk-Liste des 2. Weltkriegs.
Männer, die nicht mehr heim kamen.

Vermißt, gefallen - für Führer, Volk und Vaterland. Den Heldentod gestorben, wie das pathetisch verkündet wurde.

In unserem Gedenken müssen wir diese menschenverachtende Darstellung und Deutung nicht verwenden. Es muß das grausame Geschehen auch nicht verklären und uns auch kein Trost sein - das war es für die Angehörigen, für die Freunde sicher auch damals nicht.

Wie heldenhaft mag der Tod für diese jungen Männern gewesen sein.

Der Jüngste war noch keine 18 Jahre, der älteste gerade mal 38.

Ja, zwischen 18 und 38 Jahren waren unsere Mitbürger und millionenfach Männer und Frauen weltweit zum Sterben ins Feld getrieben worden.

Stellen Sie sich Siebzehn-, Achtzehnjährige, Zwanzig-/Dreißigjährige oder auch fast Vierzigjährige in Ihrer Familie, in Ihrem Bekanntenkreis vor.

Heute, noch bei Ihnen, unter uns - bald tot.

Heldenhaft gestorben?

Wohl kaum, eher in Erfüllung soldatischer Pflicht und für ein Vaterland, das damals in der Hand von Despoten war.

Von Despoten, die auch im eigenen Volk folterten und mordeten.

Juden, Sinti, Roma, Andersgläubige, Andersdenkende, Behinderte, Nicht-Linientreue fielen ihnen zum Opfer.

Auch hier in Hüffenhardt.

In unser Gedenken schließen wir deshalb auch die ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger ein, die Opfer der Gewaltherrschaft, Opfer eines Fanatismus wurden. Alteingesessene Familien namens Kander, Eisenmann und Hofmann.

Sinnlos?

Nur, wenn wir dieses Verderben nicht als Mahnung, als Warnung betrachten.

Und gerade auch dazu fordert uns der Volkstrauertag auf. Erinnern und Mahnen.

Wir sind zuständig, wir tragen Verantwortung. 

Wir müssen aus den Geschehnissen lernen.

Aus der Geschichte vor 95 Jahren, vor 70 Jahren, aber auch aus der neueren Geschichte.

Der Schriftsteller Ludwig Börne (1786-1837) sagte einmal:

„Der Schmerz ist der große Lehrmeister der Menschen.“

War der Schmerz etwa nicht groß genug, den die Deutschen im Ersten Weltkrieg erfahren haben? Schon 21 Jahre später fingen sie den nächsten Weltkrieg an, waren noch fanatischer – und sie waren noch größenwahnsinniger und grausamer geworden.

Das Ende war bitter – und diesmal lehrreich genug: Seit über 6 Jahrzehnten leben wir in Deutschland nun in Frieden - zumindest im Innern unseres Landes,

und seit 20 Jahren ist unser Volk auch endlich wieder vereint.

Die Welt hat uns damals – nach zwei von Deutschland ausgehenden Kriegen – eine dritte Chance gegeben: Sorgen wir heute dafür, daß wir das immer zu schätzen wissen und daß sich die schreckliche Geschichte unseres Landes niemals mehr wiederholt!

Dazu gehört ebenfalls, daß wir uns um den Weltfrieden kümmern.

Seit den neunziger Jahren sind auch Soldaten der Bundeswehr weltweit im Einsatz. Weitgehend in friedensstiftenden Missionen, aber auch in kriegerischen Auseinandersetzungen, wie z. B. in Afghanistan.

Meine Gedanken sind jetzt bei unserem Freund und Kameraden HFw Christoph Monninger, der seit zwei Wochen dort im Einsatz ist. Wir hoffen, daß er im kommenden Jahr wohlbehalten zurückkommt.

Aber,      ----      Krieg ist keine Lösung.

Bewaffnete militärische Einsätze sind - auch wenn wir nicht dem Trugschluß von einer heilen Welt unterliegen dürfen - immer Bankrotterklärungen der Politik und unserer Gesellschaft.

Ein Ausdruck, daß es nicht gelungen ist, mit anderen, friedlichen Mitteln eine gerechte Welt zu schaffen.

Gerechtigkeit schafft Frieden - im Großen wie im Kleinen!

Auch dazu fordert uns der Volkstrauertag auf.

Der Friede ist auch im Kleinen keine Selbstverständlichkeit, sondern er braucht Menschen, die ihn stiften – in den Familien, in Vereinen und Gruppen. Dort sind wir nicht machtlos.
Die Impulse zu einem friedlichen Miteinander müssen vom Herzen und vom Kopf ausgehen:

Innehalten, Gedenken, das eigene Verhalten hinterfragen ist dazu unerläßlich - der Volkstrauertag bietet diese Chance.
Wir wollen uns nichts vormachen: Wir alle sind keine Weltverbesserer. Wir können die Wunden dieser Welt nicht heilen, aber wir sind für diese Welt mitverantwortlich. Jeder von uns ein Stückchen.
Und dieser Mitverantwortung muß jeder für sich gerecht werden.

Mehr Achtung, mehr Verständnis, mehr Hilfsbereitschaft, mehr Verantwortung für den Mitmenschen - das sind Bausteine einer besseren Welt, die jeder von uns mit zusammentragen kann.
Nur wer insofern Frieden mit seiner eigenen kleinen Welt schließt, darf vom Frieden in der großen Welt träumen.
Ich denke, diese Maxime sollte nicht allein für den Volkstrauertag gelten, sondern für jeden Tag. Dann war auch das Schicksal der zahllosen Opfer, von Krieg, Gewaltherrschaft, Vertreibung und politischer Willkür nicht vergeblich.

 

 

Nun wollen wir uns erinnern

+ an die, die auf den Schlachtfeldern der vielen Kriege ihr Leben ließen,

+ an die, die in Gefangenschaft gerieten und nicht mehr heimkehrten.

+ Wir gedenken der Menschen, die Opfer der Diktatur wurden, wegen ihrer politischen oder religiösen Überzeugung oder nur, weil sie einer anderen Rasse angehörten.

+ Wir gedenken der Toten, die bei Flucht und Vertreibung ihr Leben ließen.

+ Wir gedenken der Opfer des Bombenkrieges in Deutschland und in aller Welt,

+ Unser Erinnern richtet sich aber auch auf die, die Widerstand leisteten und ihre Courage mit dem Leben bezahlten.

+ Und wir schließen in unser Gedenken auch die Toten aus unseren Partnergemeinden Champvans und Máriakálnok mit ein.

 

 

Verneigen wir uns in Ehrfurcht und Dankbarkeit vor den Toten, die für uns ihr Leben ließen.

 

Zum Andenken an unsere Toten legen wir hier an unserer Gedenkstätte einen Kranz nieder. 

 

Die Kapelle spielt dabei das Lied vom guten Kameraden. 

 

 

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