Verehrte im
Gedenken versammelte Anwesende,
ungefähr 5
Stunden ist es her, daß vor 70 Jahren und 76 Tagen der II. Weltkrieg
begonnen hat.
Nach 6
Jahren, am 2. September um 9:25 Uhr endete dieser weltweite Schrecken mit
der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde durch den jap. Kaiser . Bereits
am 8. Mai 1945 hatte Nazi-Deutschland bedingungslos kapituliert.
6 Jahre und
1 Tag
oder 2 194
Tage
oder 52 641
Stunden.
Durch den
Krieg verloren
in jeder
Stunde 1 045
in jeder
Minute 17 Menschen ihr Leben.
Insgesamt
55 Millionen
als
Soldaten,
als
Flüchtlinge und Vertriebene,
als Opfer
der Gewaltherrschaft,
Zivilisten.
Unvorstellbare Zahlen, unfaßbares Leid.
55 Millionen
- so abstrakt.
Gerade so,
als ob zwei Drittel von Deutschland nicht mehr da wäre.
Aber anonym.
55
Hüffenhardter Namen stehen auf unserer Gedenk-Liste des 2. Weltkriegs.
Männer, die nicht mehr heim kamen.
Vermißt,
gefallen - für Führer, Volk und Vaterland. Den Heldentod gestorben, wie das
pathetisch verkündet wurde.
In unserem
Gedenken müssen wir diese menschenverachtende Darstellung und Deutung nicht
verwenden. Es muß das grausame Geschehen auch nicht verklären und uns auch
kein Trost sein - das war es für die Angehörigen, für die Freunde sicher
auch damals nicht.
Wie
heldenhaft mag der Tod für diese jungen Männern gewesen sein.
Der Jüngste
war noch keine 18 Jahre, der älteste gerade mal 38.
Ja, zwischen
18 und 38 Jahren waren unsere Mitbürger und millionenfach Männer und Frauen
weltweit zum Sterben ins Feld getrieben worden.
Stellen Sie
sich Siebzehn-, Achtzehnjährige, Zwanzig-/Dreißigjährige oder auch fast
Vierzigjährige in Ihrer Familie, in Ihrem Bekanntenkreis vor.
Heute, noch
bei Ihnen, unter uns - bald tot.
Heldenhaft
gestorben?
Wohl kaum,
eher in Erfüllung soldatischer Pflicht und für ein Vaterland, das damals in
der Hand von Despoten war.
Von
Despoten, die auch im eigenen Volk folterten und mordeten.
Juden,
Sinti, Roma, Andersgläubige, Andersdenkende, Behinderte, Nicht-Linientreue
fielen ihnen zum Opfer.
Auch hier in
Hüffenhardt.
In unser
Gedenken schließen wir deshalb auch die ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen
und Mitbürger ein, die Opfer der Gewaltherrschaft, Opfer eines Fanatismus
wurden. Alteingesessene Familien namens Kander, Eisenmann und Hofmann.
Sinnlos?
Nur, wenn
wir dieses Verderben nicht als Mahnung, als Warnung betrachten.
Und gerade
auch dazu fordert uns der Volkstrauertag auf. Erinnern und Mahnen.
Wir sind
zuständig, wir tragen Verantwortung.
Wir müssen
aus den Geschehnissen lernen.
Aus der
Geschichte vor 95 Jahren, vor 70 Jahren, aber auch aus der neueren
Geschichte.
Der
Schriftsteller Ludwig Börne (1786-1837) sagte einmal:
„Der Schmerz
ist der große Lehrmeister der Menschen.“
War der
Schmerz etwa nicht groß genug, den die Deutschen im Ersten Weltkrieg
erfahren haben? Schon 21 Jahre später fingen sie den nächsten Weltkrieg an,
waren noch fanatischer – und sie waren noch größenwahnsinniger und grausamer
geworden.
Das Ende war
bitter – und diesmal lehrreich genug: Seit über 6 Jahrzehnten leben wir in
Deutschland nun in Frieden - zumindest im Innern unseres Landes,
und seit 20
Jahren ist unser Volk auch endlich wieder vereint.
Die Welt hat
uns damals – nach zwei von Deutschland ausgehenden Kriegen – eine dritte
Chance gegeben: Sorgen wir heute dafür, daß wir das immer zu schätzen wissen
und daß sich die schreckliche Geschichte unseres Landes niemals mehr
wiederholt!
Dazu gehört
ebenfalls, daß wir uns um den Weltfrieden kümmern.
Seit den
neunziger Jahren sind auch Soldaten der Bundeswehr weltweit im Einsatz.
Weitgehend in friedensstiftenden Missionen, aber auch in kriegerischen
Auseinandersetzungen, wie z. B. in Afghanistan.
Meine
Gedanken sind jetzt bei unserem Freund und Kameraden HFw Christoph Monninger,
der seit zwei Wochen dort im Einsatz ist. Wir hoffen, daß er im kommenden
Jahr wohlbehalten zurückkommt.
Aber,
---- Krieg ist keine Lösung.
Bewaffnete
militärische Einsätze sind - auch wenn wir nicht dem Trugschluß von einer
heilen Welt unterliegen dürfen - immer Bankrotterklärungen der Politik und
unserer Gesellschaft.
Ein
Ausdruck, daß es nicht gelungen ist, mit anderen, friedlichen Mitteln eine
gerechte Welt zu schaffen.
Gerechtigkeit schafft Frieden - im Großen wie im Kleinen!
Auch dazu
fordert uns der Volkstrauertag auf.
Der Friede
ist auch im Kleinen keine Selbstverständlichkeit, sondern er braucht
Menschen, die ihn stiften – in den Familien, in Vereinen und Gruppen. Dort
sind wir nicht machtlos.
Die Impulse zu einem friedlichen Miteinander müssen vom Herzen und vom Kopf
ausgehen:
Innehalten,
Gedenken, das eigene Verhalten hinterfragen ist dazu unerläßlich - der
Volkstrauertag bietet diese Chance.
Wir wollen uns nichts vormachen: Wir alle sind keine Weltverbesserer. Wir
können die Wunden dieser Welt nicht heilen, aber wir sind für diese Welt
mitverantwortlich. Jeder von uns ein Stückchen.
Und dieser Mitverantwortung muß jeder für sich gerecht werden.
Mehr
Achtung, mehr Verständnis, mehr Hilfsbereitschaft, mehr Verantwortung für
den Mitmenschen - das sind Bausteine einer besseren Welt, die jeder von uns
mit zusammentragen kann.
Nur wer insofern Frieden mit seiner eigenen kleinen Welt schließt, darf vom
Frieden in der großen Welt träumen.
Ich denke, diese Maxime sollte nicht allein für den Volkstrauertag gelten,
sondern für jeden Tag. Dann war auch das Schicksal der zahllosen Opfer, von
Krieg, Gewaltherrschaft, Vertreibung und politischer Willkür nicht
vergeblich.
Nun wollen
wir uns erinnern