huehistory11Immer wieder befassen sich interessierte Bürgerinnen und Bürger mit der Geschichte von Hüffenhardt und Kälbertshausen. Einige Recherchen wurden schriftlich festgehalten und können heute in Buch- bzw. Textform an die nachfolgenden Generationen weitergegeben werden. Bitte werfen Sie gerne einen Blick auf die Rubrik „Gemeinde-> Geschenkideen“, dort finden Sie z.B. das Buch zur 900-Jahr-Feier der Gemeinde, dass von Dr. Luckhaupt verfasst wurde. Emil Prinke hat sich mit dem Thema „Vertreibung“ und Hüffenhardt befasst, während Her Karlheinz Reinmuth sich insbesondere dem landwirtschaftlich geprägten Leben des früheren Hüffenhardts widmet.

Nachfolgend zwei Leseproben, die Ihr Interesse an den verfassten Schriftstücken wecken dürften:


 

[…] Hüffenhardt im Wandel der Jahre- vor und nach der Vertreibung

Vor dem zweiten Weltkrieg war Hüffenhardt eine von der Landwirtschaft und dem örtlichen Handwerk geprägte Gemeinde. In den etwa 220 Häusern lebten circa 1100 Einwohner. 890 ha Äcker und Wiesen wurden von 120 landwirtschaftlichen Betrieben bewirtschaftet. 384 ha Wald sind Eigentum der Gemeinde. Hüffenhardt war eine fast evangelische Gemeinde, dazu gehörte die Kirche, die auf das Jahr 1738 zurückgeht, dabei dir Kriegerdenkmäler von zwei Kriegen. Das schöne Fachwerk-Rathaus aus dem Jahre 1559, der evangelische Kindergarten, das Schulhaus aus dem Jahre 1896 und der Bahnhof der Nebenbahn Neckarbischofsheim. Einige Einwohner arbeiteten in Bad Rappenau, Mannheim, Heidelberg und Heilbronn. Während des Krieges wurden etwa 150 Personen als Evakuierte aus den bombengeschädigten Städten, darunter viele Kinder, in Hüffenhardt aufgenommen. Der Krieg selbst erreichte Hüffenhardt am Ostersonntag 1945, amerikanische Truppen, die von Wollenberg aus vorrückten, nahmen das Dorf unter Beschuss. 12 Häuser und Scheunen wurden durch Feuer zerstört. Einen völligen Wandel brachte die Zuweisung von etwa 500 Heimatvertriebenen aus den deutschen Ostgebieten, die in Hüffenhardt untergebracht werden musste. Es waren gewaltige Anforderungen, die an die Gemeindebehörde und die Einwohnerschaft gestellt wurden. Sie wurden bewältigt und im Laufe der Jahre bildeten Alt- und Neubürger eine neue Ortsgemeinschaft, die auch ein neues Ortsgepräge mit sich brachte. Die IEnwohnerzahl war bis zum 20.01.1948 auf 1540 Personen gewachsen. Die Heimatvertriebenen gehörten zum großen Teil dem röm. Kath. Glauben an, die Gottesdienste wurden in der evangelischen Kirche gehalten, bis im Jahre 1956 die katholische Kirche Maria Königin eingeweiht werden konnte. In Hüffenhardt vollzog sich ein Wandel von der rein landwirtschaftlichen Gemeinde zur Arbeiterwohngemeinde. Viel der Heimatvertriebenen haben beim Wiederaufbau von Heilbronn, Stuttgart und sonstigen Städten mitgewirkt, oftmals sind sie nur übers Wochenende zu Hause gewesen. Man dachte aber auch daran, sich wieder ein eigenes Heim zu bauen und so begann auch in Hüffenhardt ab 1953 eine gege Bauzeit im Gebiet um die kath. Kirche und dem ehemaligen RAD Lager. Es wurden die ersten Häuser der Vertriebenen, oftmals in Gemeinschaftsarbeit erstellt. Man war froh, wieder etwas „Eigenes“ erstellen zu können. Durch den Wiederaufbau der Wirtschaft und Industrie fanden auch dort viele eine neue Arbeitsstelle. Man war bestrebt, Betriebe aufs Land zu bringen, so wurde 1958 der Firma Finkenrath aus dem Ruhrgebiet angesiedelt, es war ein kleiner Betrieb aber doch ein Anfang. 1960 mietete die Obrigheimer Gardinenfabrik den Saalbau (heute Achterbahn), in dem bis 1969 30 Frauen beschäftigt wurden. 1970 wurde am Beudweg ein Gelände erworben und ein neuer Zweigbetrieb gebaut, der im Laufe der Jahre noch vergrößert wurde und 70 Arbeitsplätze – vorwiegend für Frauen – brachte. Im Munawald in Siegelsbach wurde ein Munitions- und Materialdepot der Amerikaner und der Bundeswehr eingerichtet, in denen auch viele Landwirte aus Hüffenhardt einen Nebenverdienst fanden. Ebenso vergrößerte sich der Betrieb Mann und Schröder in Siegelsbach, wo auch einige Frauen Arbeitsplätze fanden.

In der Landwirtschaft wurden durch die Flurbereinigung im Jahre 1960 landwirtschaftliche Aussiedlungen erstellt und die Gemarkung völlig neu geordnet. Die weitere Entwicklung brachte es mit sich, dass immer mehr landwirtschaftliche Betriebe aufgaben und ihre Flächen verpachteten. Der Trend zum Großbetrieb hatte eingesetzt, der einen völligen Wandel brachte. Von den ehemals 120 landwirtschaftlichen Kleinbetrieben sind heute nur noch zwei Betriebe mit Viehhaltung, ehemalige Siedlerbetriebe, vorhanden. Im Ort ist kein landwirtschaftlicher Betrieb mehr vorhanden.

Wie ich schon geschrieben habe, wurde Hüffenhardt zur Arbeiterwohngemeinde, das bedeutete, dass weitere Neubaugebiete erschlossen werden mussten, die innerhalb von kurzer Zeit wieder bebaut waren. Seit der Gemeindereform im Jahre 1975 wurden die selbstständigen Gemeinden Hüffenhardt und Kälbertshausen eine Gemeinde. Durch den freiwilligen Zusammenschluss wurde Kälbertshausen mitteln eines Eingliederungsvertrages ab 01.01.1975 in die Gemeinde Hüffenhardt als Ortsteil eingegliedert. Neue Aufgaben, die gemeinsam bewältigt wurden.

Durch den Aufbau der Industrie in Heilbronn, Neckarsulm und Bad Wimpfen fanden auch dort Beschäftigte in Hüffenhardt Bauland für ein eigenes Heim. Im ehemaligen Gebäude der Gardinenfabrik richtet die Firma Mann und Schröder aus Siegelsbach ein Versandlager ein. Leider steht dasselbe zurzeit leer. Inzwischen ha die Firma Mann und Schröder den größten Teil ihrer Produktion nach Hüffenhardt verlegt und entsprechende Betriebshallen erstellt, in denen verschiedene Kosmetikartikel hergestellt werden. Im Gewann Berg ist ein neuen Wohngebiet und im Gewann Gänsgarten ein Mischgebiet erschlossen worden. Diese werden zurzeit bebaut und das Kreisaltersheim wird wieder einmal durch einen Anbau vergrößert.

Jetzt im Jahr 2006 hat Hüffenhardt (ohne OT Kälbertshausen) eine Einwohnerzahl von etwa 1540 Personen, die in 491 Häusern wohnen. Das gesellige Leben findet in 20 Vereinen aller Gruppierungen statt, in denen sich Altbürger, Neubürger und Zugezogene, Evangelische und katholische zu einer guten Ortsgemeinschaft zusammengefunden haben. Möge diese Einigkeit recht viele Jahre Fortbestand haben. […]

Quelle: Emil Prinke: 1945-1946-2006 60 Jahre Vertreibung


 

Die Heuernte

„Märr messä H a i machä“

„Gesch moiä mied meä?“

„Musch hald ball uffsteh!“

„Ä Sensä unn än Wedzstoi haww i vorr die!“

„Wu geh mern nå?“

„Än Wischdä – Wengerdsberig“

„Unn dånn noch ind Flisseedä!“

Wie war denn das mit der Heuernte? – in der Zeit vor der Mähmaschine? Anstrengend und mit viel Zeit verbunden!

Zuerst brauchte man das nötige Werkzeug: Die Sense, den Wetzstein mit dem Kumpf, den Rechen und die Gabel; zuvor den Dengelklotz und den Dengelhammer; und später das Fuhrwerk zum Heu heimfahren. – und (weils ja Sommer war und frühmorgens schon recht warm) etwas zum Trinken. Das war meistens Most, den man in einem Tonkrug zum Mähen mitnahm.

Also das wichtigste Werkzeug zunächst, die Sense, wurde Tags zuvor scharf gemacht: „Gedengelt“ mit dem Hammer auf einem Holzklotz mit einem kleinen Ambos darauf. Die Sense hatte einen Stiel aus Holz mit zwei Griffen daran. – Frühmorgens schon – bei Tagesanbruch – gings auf die Wiese. Wenn möglich nicht nur ein Mann. Außer der Sense zum Grasmähen (oder auch Klee) durfte man den Wetzstein und den Kumpf mit Wasser darinnen nicht vergessen, weil die Sense immer wieder nachgeschärft werden muß. Und den Most ! – So früh am Tag, nicht der Zeit wegen, sondern weil das Gras morgens feucht ist und deswegen so am besten mähen geht.

Beim Mähen enstehen Gras-Reihenhaufen „Mahdä“. Diese müssen zerstreut „verzedld“ werden auf der ganzen Fläche damit das Gras trocknen kann. Dazu braucht man eine Gabel „Gawl“. Das Zerstreuen ist aber nicht die Aufgabe des Mähers. Dies machen meistens Jugendliche und Frauen. Möglichst schon bald nach dem Mähen. Und wenn dann im Laufe des Tages das Gras (Klee) trocken wird muß es umgedreht „gwennd“ werden, damit es allseitig trocknen kann. Ein Tag für den Trockenprozeß reicht meistens nicht.

Deswegen wird Abends das Heu mit dem Rechen wieder auf Reihen zusammengeschoben und daraus werden dann einzelne Haufen gemacht, die über Nacht bleiben, damit wenig Feuchtigkeit ins angetrocknete eindringen kann. Am nächsten Morgen – sofern es die Witterung erlaubt, werden dann diese Haufen wieder breit zerstreut, so dass die weitere Trocknung „därr“ erfolgen kann. Auch umgedreht „gwennd“ wird oft mehrmals tagsüber. Dazu braucht man den Holzrechen und das Geschick.

Siehts aus, als ob das Gras zu Heu („Hai“ ist der erste Schnitt im Jahr, der zweite ist dann das „Åhmäd“) geworden sei, wird es wieder in „Mahdä“ zusammengerecht. Und dann kann das Fuhrwerk kommen: Ein mit Pferden, Ochsen oder Kühen bespannter“Haiwagä“ = ein Leiterwagen. – Wenn zuvor der Wagen zum Mistfahren oder Ähnlichem benutzt war, hatte er einen anderen Aufbau; es war dann ein „Kaschdäwagä“ der umgebaut werden mußte.

Aufgeladen „gegawld“ wird von einem Mann (oder einer starken Frau). Dabei wird das Heu mit der Gabel in der Reihe so zusammengeschoben, dass ein ganzes Bündel entsteht, das dann jemand auf dem Wagen hochgehoben wird. Dieser setzt es geordnet zusammen. Der Heuwagen hat vorne und hinten grobe Holzgitter, die „Steßlin“; seitlich ist oberhalb der „Leidern“ keine Haltevorrichtung. Deshalb ist das Aufsetzen auch eine Arbeit die Erfahrung erfordert – wenn der „Wagen voll Heu“ gut nach Hause kommen soll.

Ist dann vollgeladen, muß das Ganze festgezurrt werden:

Dazu braucht man vorne am Wagen eine Kette „Wißbåmkeddä“,

die links und rechts befestigt ist. In dieser Kette wird der „Wißbåm“ mittig eingehängt und der Länge nach auf dem Heu aufgelegt. Hinten am Wagen wird dann über den Wißbaum ein starkes Hanfseil „Walzäsail“ gelegt, das mit der Walze mit Hilfe der „Walzähelzer“ herunterzogen wird, so dass das Heu fest auf dem Wagen für die lange Heimfahrt von der Wiese auf den holperigen Wegen in die Scheune „Schaiern“ im Dorf sitzen bleibt.

Das Abladen in der Scheune ist auch noch eine schwere Arbeit.

Mit einer Gabel – manchmal (so jemand einen hat) auch mit einem Heuaufzug = ein handbetriebener Aufzug in Form eines an einem Dachsparren aufgehängten Rades über das ein Seil mit daran befestigtem Eisengreifer hochgezogen werden kann, geschieht dies vom vollen Leiterwagen aus. Benutzt man eine Gabel, so muß es eine Heugabel „Haigawl“ sein: Sie hat einen langen Stiel. Damit wird das Heu wieder vom Wagen aus ins Gebälk der Scheune hochgehoben und dort von Jemand abgenommen und platzsparend verstaut.

Es muß nämlich im Laufe des Jahres viel in die Scheune: Hai – evtl.verschiedene Sorten, div. Getreidehalmfrüchte (Roggen, Weizen, Gerste, Hafer).

Zum Ende des Erntejahres ist sie voll – wenns ein Gutes Jahr war. Eine andere Form der Heuernte ist das sogen. „Heuaufbocken“.

Dabei wird nach dem Mähen – insbesondere des Blauklee –

nicht durch zerstreuen und mehrfaches wenden der Trockenprozeß beschleunigt erreicht, sondern das Gemähte wird bald danach auf Holzgestelle, die „Haibegg“, aufgehängt und dort bis zur Dürre belassen und dann danach heimgefahren.

(S Moschddringä haww i nedd beschriwä) – […]

Quelle: Karlheinz Reinmuth-   Hüffenhardt früher „Ja – sou war’s“


 

 

Schon gewusst?

Sie möchten mehr über Ihre Vorfahren in / aus Hüffenhardt erfahren? Gerne können Sie sich an Heiko Betz wenden. Herr Betz hat sich intensiv in die Ahnenforschung eingearbeitet und dabei auch Zugriff auf die Kirchenbücher und die bei der Gemeinde hinterlegten Erkenntnisse aufgegriffen.

Heiko Betz
Reisengasse.8
74928 Hüffenhardt
06268/8299028
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